WEF legt heuer den Fokus auf die Klimakrise

Die politische Krise zwischen dem Iran und den USA dürfte am 50. Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos nach der Absage der Iraner nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dafür möchte WEF-Gründer Klaus Schwab den Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legen. Zu den teilnehmenden 53 Staats- und Regierungschef zählt auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Das 50. Treffen des WEF, das am Montag eröffnet wird, dürfte heuer wieder von der Präsenz einiger „Stars“ dominiert werden. So haben etwa US-Präsident Donald Trump oder die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ihre Teilnahme angekündigt.

Thematisch soll der Fokus des diesjährigen Treffens indes auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit liegen, wie WEF-Gründer Klaus Schwab am Dienstag am Hauptsitz des WEF in Cologny (Kanton Genf) sagte.

Die Menschen in fünfzig Jahren sollten sagen können: „Danke, wir konnten uns auf euch verlassen“, sagte Schwab. Denn die Welt befinde sich in einem Alarmzustand. Daher solle das Jubiläumstreffen auch „keine Quatschbude“ sein, sondern den Charakter einer „Werkstatt“ haben. Konkret gab Schwab etwa das Pflanzen von einer Billion Bäumen bis zum Jahr 2020 aus. Das WEF selbst will mit gutem Beispiel vorangehen und CO2-neutral sein.

Mit dem Motto „Stakeholder für eine solidarische und nachhaltige Welt“ signalisiert die Organisation, wie wichtig ihr die Umwelt ist. Auch das Davoser Manifest, ursprünglich 1973 veröffentlicht und von Schwab zum Jubiläum der Moderne angepasst, fordert Unternehmen auf, Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine zentrale Rolle einzuräumen, wie der WEF-Gründer vor den Medien ausführte.

Diesbezüglich dürfte der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg die größte Aufmerksamkeit zuteil werden. Sie reist bereits das zweite Mal zum Treffen in Davos. Bereits am Dienstag wird die junge Schwedin voraussichtlich an Veranstaltungen auftreten und eine Rede halten. Dabei dürfte sie einen anderen langjährigen Klimaaktivisten, den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, in den Schatten stellen. Um die erwartete „Thunberg-Show“ einzudämmen, hat das WEF heuer zehn weitere Teenager als Vertreter der jungen Generation eingeladen.

Allein gehört die Bühne am WEF allerdings auch dieses Jahr nicht den Klimaaktivisten. Im Gegensatz zu vergangenem Jahr ist 2020 auch US-Präsident Donald Trump wieder mit von der Partie. Begleitet wird er unter anderem von seiner Tochter Ivanka sowie von seinem Schwiegersohn Jared Kushner. 2019 noch hatte Trump seine Teilnahme wegen eines mehrwöchigen Shutdowns der US-Bundesverwaltung abgesagt.

Zum erwarteten Showdown mit den Vertretern des Iran wird es am WEF allerdings nicht kommen. Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif hat seinen Besuch in Davos für dieses Jahr abgesagt, wie bei der Pressekonferenz bestätigt wurde. Er hatte noch vor der Exekution von General Qassem Soleimani durch die USA angekündigt, teilnehmen zu wollen.

Für politische Brisanz sorgen könnte nach der Absage der Iraner dafür ein anderer Namen auf der Gästeliste: derjenige des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj. Er steht im Mittelpunkt des laufenden Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump durch den US-Kongress.

Mit Spannung wird erwartet, wie Trump den neuen EU-Spitzenvertretern begegnen wird. In Davos wird nämlich das erste Treffen des US-Präsidenten mit der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem neuen EU-Ratspräsidenten Charles Michel erwartet. Außerdem werden die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez in Davos erwartet.

Die Schweizer Regierung wird durch sechs ihrer sieben Mitglieder vertreten, einzig Finanzminister Ueli Maurer bleibt der Zusammenkunft fern. Die Schweiz ist vor allem an Kontakten zu EU-Spitzenvertretern interessiert, da nach der Schweizer Nationalratswahl und der Neubesetzung der EU-Spitze die Bemühungen zum Beschluss eines EU-Schweiz-Rahmenabgekommens wieder intensiviert werden sollen.

Insgesamt werden ungefähr 2800 Teilnehmer aus 118 Ländern erwartet. Der Anteil an Frauen hält sich dabei allerdings auch dieses Jahr in Grenzen: Er beträgt nur gerade 24 Prozent.


Kommentieren


Schlagworte