Art Innsbruck 2020: Kunst für die Bildschirme

Die Art Innsbruck öffnete zum 24. Mal ihre Pforten. Die Messe setzt auf Kunst, die direkt anspricht – und wenig hinterlässt.

Art-Chefin Johanna Penz mit Skulpturen von Ferdinand S. Feichter. Sie will ihr Messekonzept in Zukunft auch auf digitaler Ebene etablieren
© Vanessa Rachle

Innsbruck –Der rote Teppich wurde schon ausgerollt. Dabei war es dieses Mal gar nicht so sicher, ob die Gäste der Art Innsbruck wieder darüber ins Messe-Getümmel schreiten dürfen. Erst Ende November stand fest: Die 24. Ausgabe der Innsbrucker Kunstmesse kann wie geplant stattfinden.

Im Sommer musste Veranstalterin Johanna Penz Insolvenz anmelden; 940.000 Euro an Schulden hatten sich angesammelt. Im Februar wird ein Sanierungsplan vor Gericht zur Abstimmung gebracht und damit über die Zukunft der Mess­e entschieden. Der Betrieb läuft indes aber weiter, auch weil es Penz gelang, die aktuelle Ausgabe der Art auszufinanzieren. Das war die Vorgabe des Masseverwalters: keine neuen Schulden produzieren. Penz gibt sich beharrlich: „Die Veranstaltung funktionierte immer“, so die Alleingesellschafterin, „Probleme gab es mit Partnern in Nebenprojekten.“ Der Verleih von Messe-Baustoffen wurde deshalb inzwischen eingestellt. Mit den Art-Messewänden werden nur noch Art-Messekojen gebaut.

Für die noch bis Sonntag geöffnete Messe wurden rund 90 davon aufgebaut. 90 Aussteller bestückten sie mit unterschiedlichster Kunst: Man wolle die „breite Mitte“ abdecken, erklärt Penz. Doch auch die Veranstalterin selbst ist bei der Erstbegehung überrascht, welche Werke da Einzug in die Kojen der Galerie finden. Sprich inhaltlichen Rahmen von Seiten der Organisatorin gibt es für die Aussteller keinen. Qualitätskontrolle, die bei vergleichbaren Kunstmessen zum guten Ton gehören, ebenso wenig: Wer zahlt, darf ausstellen. Eine Druckgrafik von Picasso (Galerie WOS) hängt hier neben kubistisch-expressiv gebauten Höfe-Bildern von Herbert Danler (Galerie Hartl, Wien), Lichtbildern von Patricia Karg neben riesigen handgeschöpften Papierbögen. Ja, „künstlerisches Design“ gibt es ebenso wie Einzelshows von Kunstschaffenden, die sich in den „Artroom21“ der Messe einkaufen können.

Trotz aller Buntheit, die die Messe mit diesem Konzept forciert, sind es vornehmlich Skulpturen und Gemälde, die als Verkaufsmaterial gehandelt werden. Das zeigt: Man beschränkt sich nur auf einen bestimmten Teil der Gegenwartskunst – jenen, der ästhetisch direkt anspricht und den aktuellen Diskurs des Kunstbetriebs gleichzeitig weitgehend ignoriert. Und das lässt man sich einiges kosten: In der Sonderschau zum zypriotischen Künstler John Kiki (Galerie WOS) kann man dessen formal durchaus reizvolle Bilder für vier- bis fünfstellige Euro-Beträge erstehen. Noch mehr bringen nur die wenigen großen Namen: Sam Francis zum Beispiel, oder der bereits erwähnte Picasso.

Parallel zur Messe arbeitet Penz wieder am Salzburger Ableger, der im Herbst über die Bühne gehen soll. Und an einer digitalen Schiene. Die Art-Chefin ist sich sicher: Verkäufe werden immer öfter übers Internet getätigt. Dazu braucht es Kunst, die am Bildschirm funktioniert. Davon gibt es auf der Art genug. (bunt)


Kommentieren


Schlagworte