Tradition vs. Tourismus: Sternsinger wegen „Blackfacings" weggeschickt

Für Diskussionen sorgt ein Vorfall in Mayrhofen: Gäste orteten bei Sternsingern Rassismus wegen eines schwarz angemalten Gesichts.

Bei britischen Gästen eines Mayrhofner Hotels waren die Sternsinger nicht erwünscht.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Angela Dähling

Mayrhofen – Ist der Gast so sehr König, dass man für ihn seine Traditionen opfert? Diese Diskussion hat ein Vorfall in Mayrhofen entfacht, über den das Bezirksblatt in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Demnach war eine Gruppe von Sternsingern unlängst in Mayrhofen unterwegs und besuchte dabei auch Hotelbetriebe. Im Hotel Elisabeth hätten sich laut Bezirksblatt britische Gäste über das so genannte „Blackfacing“ beschwert. Es bezeichnet die im englischsprachigen Raum als rassistisch verpönte Praxis, wenn Weiße sich als Schwarze schminken.

Die Sternsinger hätten daraufhin nicht singen dürfen und mussten wieder gehen, heißt es. Man habe einen Konflikt vermeiden wollen, wird das Hotel zitiert. Die Briten hätten dort schon zum vierten Mal ihren Urlaub verbracht. Pfarrer Jürgen Gradwohl soll den Vorfall bestätigt und klargestellt haben, „dass wir hier nicht in Amerika sind und dass Sternsingen nicht das Geringste mit Rassismus zu tun hat. Die Heiligen Drei Könige stehen symbolisch für die Kontinente und es lässt sich problemlos erklären, warum einer der drei Könige schwarz ist.“

Ein gefundenes Fressen ist der Vorfall für FPÖ-Bundesrat Christoph Steiner aus Zell: „Auf Touristen, die unsere Traditionen ablehnen, können wir gut und gern verzichten“, teilt er in einer Aussendung mit. Dem Hotelier richtet Steiner aus, dass er besser den Gästen diesen uralten Brauch erklärt hätte. „Wo kommen wir denn da hin, wenn wir unsere Traditionen wegen ein paar Dollarzeichen in den Augen opfern?“, meint Steiner. Der Freiheitliche rät zudem jedem Gastronomen, weiterhin Mohr im Hemd und Zigeunerschnitzel auf der Karte anzubieten.

Die Mayrhofner Bürgermeisterin Monika Wechselberger erklärt gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dieser Brauch gehöre zu einer katholisch geprägten Umgebung und viele Gäste würden sich daran erfreuen. „Ich war selbst heuer Sternsinger-Begleiterin. Bei zwei Häusern hieß es jedoch auch, man habe kein Interesse, aber das ist okay für mich“, sagt sie im Wissen um andere Religionen und Ansichten. Der Mayrhofner Tourismusverbandsobmann Andrea­s Hundsbichler war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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