Skitouren auf der Piste könnten in Tirol bald kosten

In Tirol wird jetzt laut über Sanktionen und Gebühren für Tourengeher nachgedacht. In der Schweiz, in Salzburg und in Vorarlberg ist man schon strenger.

Wie hoch die Gebühr fürs Tourengehen auf der Piste sein könnte, ist noch unklar. Diese Woche wird auch darüber beraten.
© Thomas Böhm

Von Anita Heubacher und Liane Pircher

Innsbruck –Noch diese Woche lädt Sportlandesrat Josef Geisler in Sachen Skitourengeher zum runden Tisch. Geisler denkt daran, die Tourengeher zur Kasse zu bitten, wenn sie entlang der Piste aufsteigen. Mit dem Geld könnten sowohl separate Aufstiegsbahnen als auch Security-Mitarbeiter bezahlt werden. Er habe zwar viel Gegenwind, aber auch sehr viel Zuspruch für seinen Vorstoß bekommen, meint Geisler.

Am runden Tisch sollen Seilbahner, Alpenverein und die Sportabteilung des Landes Platz nehmen. „Es geht darum, die Situation in Hotspots zu lösen, wo der Andrang besonders groß ist.“ Diese Brennpunkte sieht Geisler nicht nur rund um Innsbruck, sondern rund um fast alle Ballungs- und Tourismuszentren. Im Zillertal hätten Tourengeher den Liftparkplatz derart beansprucht, dass die Skifahrer nicht mehr parken konnten. Parkgebühren und sogar Straßensperren, um den Zustrom zu regulieren, seien die Folge gewesen.

Geisler sieht Handlungsbedarf, „weil Pistenraupenfahrer mit den Tourengehern viel mitmachen“. Zwischenfälle gebe es immer wieder, nicht nur den am Rangger Köpfl. Dort hatte, wie berichtet, ein Tourengeher nachts auf einen Pistenraupenfahrer eingeprügelt, weil dieser ihn an die Regeln erinnert hatte.

Wenig Freude mit Geislers Vorstoß hat der Koalitionspartner, die Grünen. Klubobmann Gebi Mair ließ via Facebook wissen, dass er die Diskussion für „erstaunlich“ und für von „zündelnden Skigebietsbetreibern“ verursacht halte. Die SPÖ tut sich mit Vorschriften am Berg ebenso schwer. „Der Eintritt in die Natur und das freie Betretungsrecht zu Erholungszwecken darf auf keinen Fall eingeschränkt werden“, meint Sportreferent Benedikt Lentsch. Es gebe FIS-Pistenregeln, die es einzuhalten gelte. „Insgesamt geht von einem Pistentourengeher kein größeres Risiko aus als von einem Skifahrer, der auf der Piste steht.“

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Erfahrung mit Gebühren für Tourengeher auf Pisten gibt es mittlerweile in Salzburg, wo einige Skigebiete von Tourengehern Geld verlangen, wenn sie entlang der Piste gehen wollen: „Das ändert im Prinzip alles, weil man eine Handhabe hat und den Skitourengehern direkt sagen kann, wie es läuft. Das Konfliktpotenzial reduziert sich“, sagt Seppi Harml vom Skigebiet Flachauwinkl-Kleinarl (Pongau). Hier gilt seit vier Jahren eine Gebühr für Pistentourengeher. 18 Euro müssen die Sportler bezahlen, zwei Liftfahrten inklusive. Kontrolliert wird von den Liftangestellten. „Durch den Verkauf der Liftkarten haben wir auch eine Versicherung und damit im Falle eines Unfalles die Abholung durch die Pistenrettung.“

Die Kritik, dass der Eintritt in die Berge für Tourengeher frei sein müsse, lässt Harml nicht gelten: „Freie Berge gibt es nur dort, wo nicht gewirtschaftet wird, auf den Pisten ist es anders. Nachdem das Tourengehen so ein großer Boom geworden ist, sind auch viele Anfänger darunter, die im freien Gelände nicht fahren können oder wollen. Wer auf einer hergerichteten Piste geht, nutzt damit etwas, das kostet.“

Vielen sei die Gebühr zu hoch, diese Tourengeher würden auf kostenfreie Varianten ausweichen, „die Mehrzahl von denen weiß aber, wie man sich am Berg benimmt“. In Vorarlberg und in der Schweiz achten so genannte Pistenwächter darauf, dass sich sowohl Skifahrer als auch Tourengeher an die Regeln halten, großteils passiert das über Liftangestellte, teils über Skilehrer. Unterstützung von der Alpinpolizei gibt es keine.

Im Ernstfall, erklärt Christian Elsensohn, Skischulleiter in Lech, würden auch Skipässe für 24 Stunden abgenommen: „Das passiert aber nur selten, man setzt lieber auf Aufklärung.“ In höheren Lagen gehört das verbotene Abfahren in forstliches Sperrgebiet zu den häufigen Problemen. Die Problematik der Nachttourengeher und das gefährliche Queren von Pisten im Dunkeln während der Arbeit mit Geräten sei eher eine städtische, meint man am Arlberg und auch im nahen Ischgl.


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