Landeck fieberhaft auf Suche nach jungen Ärzten

Zwei Kassenstellen für Allgemeinmediziner und eine Facharztstelle sind laut Kammer mehrfach ausgeschrieben worden, bisher aber ohne Erfolg.

In Landeck sind laut Ärztekammer derzeit drei Kassenstellen zur Neubesetzung ausgeschrieben.
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Von Helmut Wenzel

Landeck –In der Bezirksstadt stehen die Vorzeichen derzeit auf Ärztenotstand. „Drei Kassenstellen sind unbesetzt. Wir haben sie schon mehrfach ausgeschrieben“, bestätigte Tirols Ärztekammerdirektor Günter Atzl auf TT-Anfrage. Die Kammer werde sich bestmöglich um zwei Allgemeinmediziner sowie um einen Augenarzt bemühen.

Bei Patienten des Praktikers im Stadtteil Perjen, der sich kürzlich in den Ruhestand verabschiedete, herrscht Unmut. „Wir stehen auf der Straße. Mir hat niemand gesagt, dass der Doktor in Pension geht und bei wem ich jetzt meine Rezepte holen kann“, beschwerte sich ein Patient in einem Arzt-Warteraum außerhalb von Landeck. Er sei von einer Arztpraxis in der Stadt abgewiesen worden, schilderte ein weiterer Patient.

Der angesprochene Mediziner ist Wolfgang Dapunt. Auf TT-Anfrage traf er gestern eine Klarstellung: „Ein Drittel aller Patienten, die heute zu uns gekommen sind, waren beim jetzt pensionierten Kollegen in Behandlung. Niemand ist abgewiesen worden.“ Sehr wohl habe man eine Patientin aus dem Sprengel Pians gebeten, sie möge sich ihre Medikamente beim zuständigen Kollegen verschreiben lassen.

„Die verwaiste Ordination in Perjen spüren wir drastisch“, hob Dapunt hervor. „Aber die Verantwortungsträger tun nichts gegen die angespannte Situation, die auf Kosten der Patienten ausgetragen wird.“ Wenn die Praxis seines Kollegen Tiefenbrunn ab Juli ebenfalls verwaist bleiben sollte, werde er seine Kassenstelle kündigen und künftig als Wahlarzt tätig sein.

Warum will niemand mehr als Landarzt tätig sein? – Aus Innsbrucker Sicht beginne die „Landarztregion“ bereits in Zirl, so Dapunt. Jüngere Kollegen würden das Oberland nicht als allzu attraktiv sehen. Möglicherweise spiele auch die fehlende Hausapotheke eine Rolle.

Stefan Tiefenbrunn bestätigte, er werde Ende Juni in den Ruhestand gehen. „Die Kammer habe ich schon voriges Jahr informiert.“ Es sei zwar nicht seine Aufgabe, sich um einen Nachfolger für seine Praxis im Landecker Ärztehaus zu kümmern, dennoch nutze er sein Netzwerk: „Es täte mir leid, wenn sich kein Interessent findet, der die Ordination übernimmt.“ Er spricht von einer schwierigen Situation für die verbleibenden Kollegen in Landeck.

Ab Ende Juni, falls Tiefenbrunn in Pension geht und niemand einspringt sowie Dapunt seine Dienste als Wahlarzt anbietet, würde Ingrid Mair als einzige Allgemeinmedizinerin mit Kassenvertrag übrig bleiben. Landeck zählt 7800 Einwohner. Für Mair kommt eine Patienten-Ablehnung nicht in Frage. „Ich bin dem Hippokratischen Eid verpflichtet.“ Um den großen Patientenandrang zu bewältigen, ordiniert zusätzlich eine Kollegin in ihrer Praxis – zweimal wöchentlich. „Aber das ist nur eine Zwischenlösung.“

„Dabei ist der Arztberuf ein schöner Beruf“, resümiert der langjährige Praktiker Tiefenbrunn. Strukturelle und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen stünden auf einem anderen Blatt. „Wenn ein Patient nach Behandlung einer Schnittwunde im Spital zu mir als Hausarzt überwiesen wird, damit ich ihm die Nähte entferne, dann steht diese Leistung gar nicht im Tarifkatalog der Kasse.“


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