Baumann: „In Tirol ist für den Speed-Nachwuchs nichts da“

Vor der Wengen-Kombi am Freitag (10.30, 14 Uhr) blickt der Vorjahres-Fünfte Romed Baumann auf Kitzbühel, sein Leben als Deutscher und Tirols Speed-Loch.

Österreichs Romed Baumann.
© gepa

Aus Wengen: Roman Stelzl

Wengen – Ein Deutscher kommt zum Skifahren nach Kitzbühel. An und für sich keine große Sache – doch im Falle des Tirolers Romed Baumann hat diese Meldung viel Gewicht. Wenn kommende Woche die Hahnenkamm-Rennen warten, dann wird der seit Dienstag 34 Jahre alte „Hausherr“ erstmals nicht im österreichischen, sondern im deutschen Rennanzug am Start stehen.

„Das wird etwas ganz Spezielles werden. Ich bin von allen Startern derjenige, der am nähesten zur Strecke aufgewachsen ist. Kitzbühel ist und bleibt mein Heimrennen“, sagt der Hochfilzener nach dem Abfahrts-Training am Donnerstag für das Rennen am Samstag und die Kombination am Freitag (10.30 bzw. 14 Uhr, ORF eins) im Schweizer Wengen.

Kurzer Blick zurück: Im Sommer sorgte Baumann mit seinem Wechsel vom österreichischen zum deutschen Skiverband für großes Aufsehen. Der in Kiefersfelden wohnhafte Doppelstaatsbürger (Baumann ist mit einer Deutschen verheiratet) wagte den Schritt in letzter Konsequenz und setzte seine Karriere fort. Eine Entscheidung, die der WM-Dritte von 2013 acht Weltcup-Rennen später und mit einem 15. Rang in der Abfahrt von Lake Louise (CDN) kein bisschen bereut.

„Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, ich habe mich auch schon gut eingelebt. Ich hätte zwar noch einmal die Chance gehabt, auf eigene Kosten zu trainieren und im ÖSV die Quali zu fahren, aber ich wusste: Wenn sich keiner verletzt, sieht es düster aus“, erinnert sich Baumann. Als Deutscher angesprochen zu werden bringt ihn immer noch zum Schmunzeln: „Ich bin immer noch Österreicher. Auch wenn ich jetzt einen anderen Rennanzug anhabe.“

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Diesen Rennanzug wird Baumann trotz Verkühlung („Seit zwei Tagen habe ich einen Husten, bin nicht bei 100 Prozent“) am Samstag als einziger „Tiroler“ überstreifen. Über den Start von Niklas Köck wird am Freitag entschieden.

Eine Tatsache, die den zweifachen Weltcupsieger aufgrund der fehlenden Trainingsmöglichkeiten nicht verwundert. „Kärnten ist im Speed-Bereich derzeit sehr stark, weil im Leistungszentrum in Innerkrems schon sehr früh mit dem Speed-Fahren angefangen wird. Salzburg ist mit Saalbach stark aufgestellt. In Tirol ist für den Speed-Nachwuchs nichts da zum Trainieren“, sagt der Abfahrts-Junioren-Weltmeister von 2004, der in Saalfelden zur Schule ging. „Mir fällt nichts ein, wo man in Tirol als Junger Speed trainieren könnte. Kitzbühel ist zu schwierig. Und auf Abfahrten wie St. Anton am Arlberg, wo es möglich wäre, habe ich in 15 Jahren beim ÖSV kein einziges Mal trainiert. Die jetzige Situation ist nicht verwunderlich.“

Wunderdinge erwartet sich Baumann wegen der fehlenden Fitness am Freitag nicht für die Kombination. Dann lieber nächste Woche in Kitzbühel. Und übernächste Woche in Garmisch. Denn wie sagt der Doppelstaatsbürger lachend: „Jetzt habe ich zwei Heimrennen in einer Woche mit Kitzbühel und Garmisch. Besser könnte es nicht sein.“


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