Rollenwechsel für Kogler: „Nicht mit erhobenem Zeigefinger moralisieren“

Burger- und Krawatten-Gate: Mit welchen Skurrilitäten der grüne Vizekanzler Werner Kogler konfrontiert ist.

Vizekanzler Kogler ist mit Vorwürfen konfrontiert. Weil er in einem Fast-Food-Lokal gegessen hat. Und weil er keine Krawatte trägt.
© APA

Von Karin Leitner

Wien –Mit Kritik von Polit-Konkurrenten hat Werner Kogler ob seiner neuen Rolle gerechnet – die Grünen würden als Koalitionspartner der ÖVP von zu vielen bisherigen Positionen lassen etc. Dass er wegen eines Speiseverhaltens verbal angegriffen wird, hat den neuen Vizekanzler wohl überrascht.

Abgelichtet ist er worden, als er in einem Fast-Food-Lokal einen Burger und Pommes verzehrte. In das Netz wurde das Bild gestellt – zur Freude von Koglers Widersachern von rechter Seite. Sie zeihen ihn und die Seinen der Doppelmoral. Der Tenor der Echauffierer: „Wasser predigen, gleichzeitig der Fleisch- und Müllindustrie frönen.“

Eine Gegenkampagne folgte. Die stellvertretende Wiener Bürgermeisterin, die Grüne Birgit Hebein, postete ein Foto von sich – in einen Burger beißend. Mit dem Kommentar „Von Vize zu Vize: Mahlzeit!“ Auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger solidarisiert sich mit Kogler. Sie hat ein Bild von sich in einer Fast-Food-Bude auf Facebook gestellt, das Gesicht teils verdeckt von einem vollen Sackerl des Konzerns. Der Text dazu: „Burger für den Vizekanzler. Hier gönnt sich Werner Kogler ein McMenü.“

Wie reagiert dieser auf den Vorhalt und die Häme? „Wir Grünen wollen, dass die Menschen selbst entscheiden, wie sie leben wollen – also auch, was sie essen.“ Aufgabe der Politik sei, „die Entscheidungen der Einzelnen zugunsten eines umweltschonenden und Klima-schützenden Lebens zu erleichtern. Nicht mit erhobenem Zeigefinger zu moralisieren. Nur weil wir glauben, oft die besseren Ideen zu haben, sind wir noch nicht die besseren Menschen“, sagt Kogler zur TT.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Den Zeigefinger erhoben hat jemand anderer – ein Medium. Die Wiener Stadtzeitung Falter hat Kogler in ihrer Rubrik „Dolm der Woche“ platziert und damit übers Ziel hinausgeschossen. Auf Benimm-Schule Elmayer wird gemacht. „Der grüne Vizekanzler verweigert Krawatten. Das ist ein Problem“, heißt es.

Kogler sagt nichts zu dieser Qualifizierung. In sozialen Netzwerken wird sie von vielen nicht goutiert. Nicht solch eine Äußerlichkeit sollte thematisiert werden – nicht bei Frauen, auch nicht bei einem Mann, wird befunden.

Im Übrigen ist Kogler nicht immer ohne Krawatte unterwegs. Beim Steirerball in der Hofburg und im Bundesrat hat er eine getragen.


Kommentieren


Schlagworte