Cyberangriff auf Außenministerium: Im Zeitalter der hybriden Bedrohungen

Das österreichische Außenministerium ist seit Tagen Ziel eines groß angelegten Angriffs aus dem Internet.
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Wien –Eine Bedrohung ist ganz akut: Das österreichische Außenministerium ist seit Tagen Ziel eines groß angelegten Angriffs aus dem Internet. Experten des Bundesheeres unterstützen die Abwehr der Attacken durch einen sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz, berichtete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) gestern anlässlich des „Sicherheitspolitischen Jahresauftakts“ in Wien.

Ein Cyberangriff wie der auf das Außenamt zählt zu den „hybriden Bedrohungen“, die Generalmajor Johann Frank, Leiter der Direktion für Sicherheitspolitik, an die Spitze seiner Analyse stellte. Vorweg: Die ruhige Phase nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist vorbei.

Wir haben vor, das Bundesheer zu einem voll einsatzfähigen, zukunftsfähigen Heer zu machen.
Klaudia Tanner

Hybride Bedrohungen könnten viele Formen annehmen, Propaganda, Desinformation, wirtschaftliche Einflussnahmen, nachrichtendienstliche Aktivitäten, Cyber-Angriffe bis hin zur Anwendung militärischer Mittel – aber immer „unterhalb der Schwelle eines Krieges“, mit dem Ziel einer gezielten Destabilisierung liberaler Demokratien. Frank: „Ziel ist nicht das Besetzen von Territorien. Ziel ist das Besetzen unserer Köpfe.“

Klaudia Tanner (Verteidigungsministerin).
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Und noch eine Tendenz macht der General aus. Vor einigen Jahren noch seien die Autoren der österreichischen Sicherheitsdoktrin davon ausgegangen, dass sich die Lage in der europäischen Nachbarschaft positiv entwickle. Diese Zeiten seien vorbei: „Europa ist nicht von einem Ring befreundeter Staaten umgeben, sondern von einem ,Ring of fire‘.“

Konkreter sind die vier Hauptrisikofaktoren für Österreich, die Frank und seine Experten ausmachen. An erster Stelle die Migration: „Die Zahlen sind anhaltend hoch bis steigend“, meint der Offizier. Mit Sorge blickt er auf die weitere Entwicklung in Libyen. Aber auch ein Abzug der USA aus Afghanistan könnte massive Folgen haben.

Ein anderes Risiko sei eine Verschärfung regionaler Konflikte von Westafrika bis in den Nahen Osten. Weiters nehmen „Extremereignisse“ zu, Frank zählt dazu Naturkatastrophen genauso wie Pandemien oder ein „Blackout“, einen großflächigen Stromausfall. Ein solcher sei in den kommenden Jahren mit 100-prozentiger Sicherheit zu erwarten, warnt er. Schließlich nannte er Cyberangriffe. Das Terrorrisiko hingegen schätzt er als derzeit nicht so hoch ein.

Und was sind die Folgen für das Bundesheer? Tanner will die Armee wieder zu einem „voll einsatzfähigen“ Heer machen, kündigt sie an.

Ihr Vorgänger, Übergangsminister Thomas Starlinger, hat den Finanzbedarf dafür mit zusätzlich 16 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren beziffert. Tanner kommentierte diese Zahl bisher nicht. (sabl)


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