Vorschlag für Friedensnobelpreis: Korea verneigt sich vor Tiroler Engeln

Die Ordensfrauen Marianne Stöger und Margit Pissarek betreuten über 40 Jahre Kranke auf der Lepra-Insel Sorok. Südkorea möchte die beiden für den Friedensnobelpreis vorschlagen – mit Unterstützung aus Tirol.

Die beiden Krankenschwestern Marianne Stöger und Margit Pissarek wirkten über 40 Jahre auf der Lepra-Insel Sorok in Südkorea.
© Diözese Innsbruck

Von Denise Daum

Innsbruck, Seoul –Blauäugige Engel. So nennen die Koreaner die Tiroler Krankenschwestern Marianne Stöger und Margit Pissarek. Die beiden Mitglieder des Säkulärinstituts Ancillä Christi Regis verbrachten 42 Jahre auf der südkoreanischen Insel Sorok, wo nur wenige hundert Meter vom Festland entfernt Lepra-Kranke interniert wurden.

Als die beiden Frauen aus Innsbruck bzw. Matrei am Brenner im Jahr 1962 im Rahmen eines Hilfsprojekts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der Insel ankamen, befanden sich rund 6000 Kranke sowie 200 von ihren Eltern getrennte Kinder dort. Behandelt und betreut wurden die Menschen so gut wie gar nicht, deren Leben war vielmehr geprägt von Leid und Elend. Die Kranken, als Aussätzige und Stigmatisierte auf der Insel gefangen gehalten, mussten harte Arbeit verrichten, wurden misshandelt und zwangssterilisiert. Kamen dennoch Kinder zur Welt, wurden sie von ihren Eltern getrennt und in ein Heim gesteckt.

In dieser Welt des Leidens und der Hoffnungslosigkeit waren die beiden Tirolerinnen mit ihrer liebevollen und aufopfernden Art, sich um die Kranken zu kümmern und deren Leiden zu lindern, tatsächlich so etwas wie Engel. Stöger und Pissarek revolutionierten den Umgang mit den Lepra-Kranken. Die Hansen-Krankheit war und ist nämlich nicht nur mit Antibiotika heilbar, sondern bei Weitem nicht so ansteckend wie damals angenommen. Und das wussten die beiden Krankenschwestern aus Tirol, wodurch sie neue Wege der Pflege beschreiten konnten. Mehr als vier Jahrzehnte lang blieben sie auf der Insel. 2005 kehrten die Frauen im Alter von 70 Jahren nach Tirol zurück. Der Grund für die Rückkehr lag zum einen in einer Erkrankung Marianne Stögers, zum anderen darin, weil die beiden das erlösende Gefühl hatten, nicht mehr gebraucht zu werden. Und schließlich wollten sie den Inselbewohnern im Alter nicht zur Last werden.

In Südkorea sind die beiden Frauen überaus bekannte Persönlichkeiten und werden richtiggehend verehrt. Das Land möchte die stillen Heldinnen, die zurückgezogen und in Bescheidenheit leben, nun als Dank und Anerkennung ihrer Leistungen für den Friedensnobelpreis nominieren. Eine entsprechende Kampagne hat Südkorea bereits vor drei Jahren gestartet, das Nominierungskomitee für Stöger und Pissarek hat bislang über eine Million an Unterschriften gesammelt. „Wir werden auch von der Weltgesundheitsorganisation unterstützt“, erklärt Joanna Lee, Vorsitzende des Nominierungskomitees in Korea. Der Zeitpunkt könnte passender nicht sein: 2020 ist das Jahr der Internationalen Pflege, der Geburtstag von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege, jährt sich zum 200. Mal. „Margit und Marianne sind ein Vorbild für alle Pflegenden. Das Wohl der Patienten war ihre Lebensaufgabe. Sie haben in Sorok Unglaubliches geleistet und mit ihrer Art den Umgang von einheimischen Ärzten und Schwestern mit den Kranken verändert“, berichtet Joanna Lee, die in den vergangenen Tagen in Tirol war, um die beiden Frauen zu besuchen.

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Unterstützung für das Ansinnen Südkoreas kommt auch aus Tirol. Angelika Ritter-Grepl, Leiterin des Frauenreferats der Diözese Innsbruck, ist dieser Tage unermüdlich im Einsatz, um für Margit Pissarek und Marianne Stöger die Werbetrommel zu rühren. Bis 31. Jänner läuft die Frist für Nominierungen, die unter anderem von gewählten Politikern, bestimmten Vereinigungen oder auch Professoren eingereicht werden können. Ritter-Grepl ist es im Zusammenhang mit der Nominierung auch ein Anliegen, den Pflegeberuf in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. „Die Pflege muss aus dem Schatten des Arztberufs treten. Das Bild der Krankenschwester, die dem Arzt zuarbeitet, ist nicht mehr zeitgemäß“, betont Ritter-Grepl. Marianne Stöger und Margit Pissarek hätten während ihrer Zeit in Sorok mit ihrem Engagement eine Systemveränderung bewirkt und seien deshalb beispielgebend.

© Diözese Innsbruck

Die beiden, so betont Ritter-Grepl, seien freiwillig und ehrenamtlich so lange Zeit auf der Insel geblieben. „Andere Helfer sind nur ein, zwei Jahre geblieben, weil sie es nicht länger aushielten.“ Als die WHO nach fünf Jahren aus dem Projekt in Sorok ausgestiegen ist, wurden die beiden Frauen von der katholischen Frauenbewegung weiter unterstützt.

Marianne Stöger lebt heute im Wipptal, Margit Pissarek in Innsbruck. Deren Orden ist eine rein spirituelle Vereinigung, finanzielle Absicherung gibt es damit keine. Um die betagten Frauen kümmern sich deren Familien. Persönliche Interviews wollten die beiden keine geben. Es sei nichts Besonderes an ihrem Leben, betonten die zwei Frauen stets.


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