Bilder vom Karneval in Venedig: Wenige Tage ein anderer sein

Der Tiroler Edgar Hernegger hält seit 36 Jahren die prachtvollen Masken des Karnevals von Venedig fest. Viel hat sich geändert, seine Leidenschaft ist geblieben.

Zeitreise: Masken im Caffè Florian.
© Hernegger

Von Alexandra Plank

Edgar Hernegger liebt es zu fotografieren.
© Plank

Innsbruck –Der Karneval in Venedig hat sich in den Jahrzehnten, in denen ihn der Innsbrucker Edgar Hernegger mit der Kamer­a einfängt, stark verändert. Das beweisen auch die über 40.000 Fotos, die seit 1984 entstanden sind. Obwohl Hernegger fast ein halbes Jahr seines Lebens in der Lagunenstadt verbracht hat, immer vier bis fünf Tage je Karneval, wird er auch heuer wieder dort sein. Längst sind ihm viele Mitwirkende zu Freunden geworden. Auch die Venezianer mögen den Tiroler, der sich das Fotografieren selbst beigebracht hat. Ein Ausschnitt seiner Impressione­n ist aktuell in der Residenz Veldidena­park zu bewundern.

Während er durch die Ausstellung führt, erzählt er von den Schwierigkeiten, mit denen die Einwohner konfrontiert sind. Das aqua alta gehört zum Leben dazu, ebenso wie die Flucht der Jungen. Solche Themen bearbeitet er auf der Rückseite seiner Kalender. Auch der Overtourism setzt der Perle der Adria zu. Was er davon halte, dass von Tagestouristen ab Mitte des Jahres drei Euro Eintritt verlangt werden sollen? „Das war höchste Zeit“, findet er.

Früher gab es beim Karneval in Venedig auch hässliche Figuren, hier vor der Seufzerbrücke.
© edgar Hernegger

Schwierig ist für Hernegger jedoch die Aufgabe, aus den Bildern seine Favoriten auszusuchen. Schließlich gelingt es ihm doch. Da ist das Bild vom Caffè Florian am Markusplatz, das zur Zeitreise einlädt. Das Gefühl kommt auf, Casanova würde gleich bei der Tür hereinspazieren. „Die meisten Maskenträger kommen aus anderen Ländern. Sie tragen ihre prächtige Verkleidung nur wenige Tage. Sie bekommen kein Geld, manche wechseln ihre Kostüme sogar mehrmals am Tag.“ Über Jahre dieselbe Maske auszuführen, verstoße indes gegen die Ehre. „Ob Putzfrau oder Bankbeamte, sie wollen für kurze Zeit jemand anderer sein.“ Hernegger findet seine Motive vor allem in den Seitengassen und auf den Inseln. Wenn die Stadt noch schläft, bewegen sich die Figuren frei und der erwachende Morgen taucht sie in mystisches Licht.


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