Abschied aus St. Johann: Mehr Zeit für Berge, Natur und Reisen

Nach 33 Jahren nimmt Robert Siorpaes, der Leiter der orthopädischen Abteilung, seinen Abschied vom Krankenhaus St. Johann. Sein soziales Engagement in Kambodscha und seine Facharztpraxis gehen aber weiter.

Siorpaes bei seinem Einsatz im CSC-Krankenhaus in Phnom Penh, wo er seinen Kollegen neueste Operationstechniken vermittelte und sich um Patienten kümmerte.
© Siropaes

Von Michael Mader

St. Johann i. T. –Es waren weit über 10.000 Operationen, die Robert Siorpaes im Laufe seiner 33 Jahre als Orthopäde am Bezirkskrankenhaus St. Johann durchgeführt hat: großteils Hüft-, Knie- und Sprunggelenksoperationen. Wie berichtet, nimmt er mit 31. Jänner nach 27 Jahren als Leiter der orthopädischen Abteilung seinen Abschied.

Unter seiner Führung entwickelte sich die Orthopädie vom „Ein-Mann-Betrieb“ mit zunächst zwei und dann vier Betten (Operationen anfangs nur an zwei Tagen in der Woche) zu einer der größten orthopädischen Abteilungen Westösterreichs mit heute 49 Betten. Vor allem im Bereich der Implantologie von künstlichen Hüft-, Knie- und Sprunggelenken zählt Siorpaes zu den anerkanntesten Fachleuten Österreichs. 1988 führte er die erste Kunst­gelenksimplantation in St. Johann durch.

© Siropaes

Sehr wichtig war Siorpaes auch die Ausbildung junger Orthopäden, die Arbeit vieler Fachärzt­e im ganzen Land trägt heute die Handschrift des St. Johanner Primars. Allein in jüngster Zeit wurden zwei Tiroler Primariate mit „Siorpaes-­Schülern“ besetzt.

Siorpaes kommt aus einer aus den ladinischen Gebieten Südtirols stammenden Familie, aus der viele Spengler hervor­gingen – daher vielleicht der Zugang zum „Handwerk“, zur manuellen Tätigkeit, die in der Orthopädie und Chirurgie so wichtig ist. So kam einmal ein Patient aus Kössen zu dem jungen Orthopäden und meinte: „Ich komm’ extra zu Ihnen, weil die Siorpaes so gute Handwerker sind!“

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„Ruhestand“ bedeutet der Abschied vom Bezirkskrankenhaus nicht: Auch künftig wird Siorpaes seine orthopädische Facharztpraxis weiterführen. Diese wechselt aber von St. Johann nach Saalfelden in ein kleines Sanatorium. Langweilig wird dem Mediziner also nicht, aber es wird sicher mehr Zeit für die Berge, die Natur und das Reisen bleiben.

Und dann gibt es ja auch noch sein Hilfsprojekt in Kambodscha, das Siorpaes weiterhin betreuen wird. Vor etwa acht Jahren war er das erste Mal in Phnom Penh, um ein Sozialprojekt am CSC-Kinderkrankenhaus zu unterstützen und seine Kollegen im Bereich der Orthopädie fortzubilden. „Seitdem bin ich jedes Jahr mindestens einmal für etwa zwei Wochen in Kambodscha“, sagt Siorpae­s im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Dort fehlt es in der Gesundheitsversorgung immer noch an allen Ecken und Enden. „Gerade 27 Ärzte hatten die Schreckensherrschaft der Roten Khmer überlebt“, erinnert sich Siorpaes an die Anfänge.

„Es sind intensive Wochen, bei denen ich täglich im OP stehe. Allerdings operiere ich kaum selbst, sondern gebe meine Kenntnisse an die Kollegen vor Ort weiter, die diese dann gleich anwenden können. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe“, schilderte Siorpaes. Das CSC-Kinderkrankenhaus ist übrigens nicht nur Anlaufstelle für junge Patienten. Auch viele mittellose Erwachsene nehmen die Leistungen des Hauses in Anspruch, da es eines der wenigen Krankenhäuser ist, in denen die Behandlung gratis ist.

Ratha Soum (l.) mit Robert Siorpaes, bei dem der kambodschanische Gastmediziner übrigens privat untergebracht war.
© Ritsch

Vor Jahren konnten sich Siorpaes und seine kambodscha­nischen Kollegen über eine ganz besondere medizinische Leistung freuen: Das erste künstliche Kniegelenk in Kambodscha wurde von einem Ärzteteam unter Leitung des Tiroler Orthopäden implantiert.

Immer wieder kommen aber auch Kollegen zur Fortbildung nach St. Johann: Vor ein paar Jahren etwa konnte der Arzt Ratha Soum vier Wochen lang seinen Kollegen am BKH St. Johann im OP über die Schulter schauen und sich aus erster Hand über die neuesten Operationstechniken informieren. Die ausländischen Mediziner sind dann zu Gast im Haus von Siorpaes.

Der Zeitpunkt des nächsten Hilfseinsatzes des Orthopäden in diesem Jahr steht noch nicht ganz fest: „Eventuell fahre ich nach Ostern, vermutlich aber erst Ende Oktober nach Kambodscha“, verrät er der TT.


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