Langsame Post lässt Gemeinde Ehrwald verzweifeln

Der Postfuchs in Ehrwald scheint derart zu lahmen, dass sich Rechtsunsicherheit breitmacht. Die Post verspricht Aufarbeitung.

Von Helmut Mittermayr

Ehrwald –Wenn Bauhofmitarbeiter der Gemeinde Ehrwald mit Briefen im Ort unterwegs sind, dann ist meist Feuer am Dach. Dann wird einem Gemeindebürger eilends noch die Ladung zu einer Bauverhandlung am nächsten Tag zugestellt. „Leider kein Einzelfall“, weiß Herbert Fuchs, Gemeindeamtsleiter in Ehrwald. „Nachbarn stehen am Zaun und reden miteinander. Der eine fragt den anderen, ob er auch am nächsten Tag zur Bauverhandlung kommt, und der weiß nichts davon“, schildert der Beamte die juristische Problemstellung. Die Post stelle im Zugspitzort seit Langem oft so verspätet oder unkorrekt zu, dass sich die rechtlichen Probleme für die Gemeinde auftürmten. „Und die Leute glauben dann, wir sind schuld oder schlampig.“

Inzwischen sitzen die Gemeindemitarbeiter vor jeder anberaumten Verhandlung auf Nadeln. Da werden Telefonnummern ausgehoben und hinterhertelefoniert, Aufenthaltsorte ausfindig gemacht, E-Mails verschickt – denn nie sei klar, ob alle Parteien die Ladung rechtzeitig erhalten haben. „Wir verschicken inzwischen alles schon drei Wochen vor dem Termin und trotzdem hat gerade wieder ein Nachbar zwei Tage nach der Bauverhandlung die Ladung erhalten“, schildert Fuchs die unmögliche Situation. Und damit werde jede Verhandlung zur Farce, weil die so genannte Präklusion, also der Verzicht auf weitere Einsprüche, nicht mehr möglich sei, wenn sich danach Betroffene melden, die gar keine Einladung oder diese verspätet erhalten haben.“

Fuchs erklärt, dass Rückscheine teilweise nicht unterfertigt und andere überhaupt nicht zurückkommen würden, Übernahmedaten fehlen oder Rückscheinbriefe ohne Unterschriftenleistung einfach im Postkasten eingeworfen würden. Bürger würden erzürnt im Amt auftauchen und fragen, warum sie von der Gemeinde nicht geladen wurden. „In Ehrwald stellen wir deshalb inzwischen teilweise selbst zu. Das funktioniert aber natürlich nur bei Anwesenheit an der Adresse. Außerhalb des Ortes ist dies für uns nicht möglich“, erläutert Fuchs. Auch dauernde Reklamationen hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Uns geht es nicht um das Porto, das wir dann storniert bekommen. Ich möchte betonen, dass es nicht am Postpartner liegt, sondern an der Leistung der Zustellung“, sagt der Amtsleiter.

Von der offiziellen Gemeinde­information Ehrwalds an ihre Bürger, die teils im Nachbarort Lermoos ausgetragen worden sei, will er gar nicht erst reden. Hier gebe es wenigstens keine juristischen Verwicklungen.

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Für Postpressesprecher David Weichselbaum war es Freitagnachmittag unmöglich, alles noch zu verifizieren, „aber wenn das so stimmt, ist das überhaupt nicht in unserem Sinne“. Die Post werde die Vorwürfe ehestmöglich prüfen, wenn nötig, sensibilisierende Gespräche führen, gleich am Montag Kontakt zum Bürgermeister suchen und gegebenenfalls bei Haftungsfragen entgegenkommen. Weichselbaum wusste nach einer Erstrecherche, dass in letzter Zeit Springer und keine Stammkräfte im Einsatz gewesen seien. Die Probleme sollen sich aber schon über Monate ziehen.


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