Oswald Oberhuber ist tot: Permanenter Veränderer

Ewig neugierig: Oswald Oberhuber ist tot. Nachruf auf einen Tiroler Künstler, der nicht nur für die heimische Kunstszene in mehrfacher Hinsicht prägend war.

Oswald „Ossi“ Oberhuber, geboren 1931 in Meran, verstarb gestern 88-jährig in Wien.
© Böhm

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck, Wien –„Er ist ein Chamäleon, das trotz ständigen Farbwechsels nie seine Form verändert“, meinte Kurator Peter Weiermair einmal über Oswald Oberhuber. Die permanente Veränderung als künstlerisches Credo hatte sich der gebürtige Südtiroler schon in der Jugend selbst auferlegt. So war Oberhuber nie „nur“ Künstler, es ging ihm um das große Ganze: Heute wird Oberhuber als Ausstellungsmacher, Galerieleiter, Lehrender, Rektor, Poet und Theoretiker erinnert. Der Künstler ist in der Nacht auf Freitag im Alter von 88 Jahren in Wien verstorben.

In Meran geboren, optierte Familie Oberhuber 1940 nach Innsbruck. Zu Kriegsende trat Oberhuber in die Gewerbeschule ein, Abteilung Bildhauerei. Schon nach dem Abschluss – Oberhuber sog die Aktivitäten des damals umtriebigen Französischen Kulturinstituts in Innsbruck wie ein Schwamm auf – widmete er sich der „informellen Plastik“. 1952 schuf er das Werk „Ende“, „das habe ich so genannt, weil ich gesagt habe, nach dieser Plastik kann man keine Plastiken mehr machen“, erklärte er der TT noch 2016.

Bereits 1950 war Oberhuber nach Wien gewechselt, lernte bei Fritz Wotruba an der Meisterschule für Bildhauerei und auch an der Staatlichen Akademie in Stuttgart bei Willi Baumeister. Mit seinem Manifest „Permanente Veränderung in der Kunst“ untermauerte Oberhuber 1956 seine Ablehnung eines individuellen Stils nochmals: Von informeller Malerei und „Gerümpelplastiken“ arbeitete er sich bis Anfang der 60er hin zu überdimensionierten Selbstporträts sowie der Serie „Ich als Kind“.

Abseits der eigenen Kunstproduktion war Oberhuber in dieser Zeit federführend beim Aufbau der Innsbrucker Galerie im Taxispalais. Im Trio, gemeinsam mit Paul Flora und Magdalena Hörmann, brachte man „die Galerie so richtig in Schwung“, erinnert sich Oberhuber 2016. Auch die Innsbrucker Galeristin Elisabeth Thoman bestätigt: „Oberhuber sorgte mit seinem Netzwerk für absolute Internationalität in Innsbruck. Wichtige künstlerische Positionen wurden gezeigt, die Inputs gingen plötzlich von Innsbruck aus.“

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Unumstritten war seine Ausrichtung aber nie: Die Ausstellung „Kunst ohne Künstler“ musste 1969 nach Besucher-Protesten geschlossen werden, öffentliche Kritik gab es auch für Oberhubers „Röhrenplastik“ (1971), die im Zuge des Neubaus der Chirurgie an der Innsbrucker Klinik im Innenbereich realisiert wurde. „Das war eine typische Oberhuber-Arbeit“, erinnert sich Günther Dankl, Ex-Kustos der Tiroler Landesmuseen, der 2006 mit „Permanenz und Veränderung“ die letzte Oberhuber-Retrospektive im Ferdinandeum kuratierte. „In Anlehnung an architektonische Pendants, wie das etwas später realisierte Centre Pompidou, arbeitete Oberhuber damals mit dieser Röhrenoptik“, so Dankl. Nach Protesten – auch aus Künstlerkreisen – wurde das Werk abgebaut, erst auf Initiative des damaligen Landesmuseum-Direktors Erich Egg landete es sicher im hauseigenen Depot. 2006 und auch aktuell im Rahmen einer neuen Sammlungspräsentation im Ferdinandeum ist die monumentale Arbeit wieder zu sehen.

Der heimischen Kunstszene blieb Oberhuber auch in seiner Zeit als Leiter der Wiener Galerie nächst St. Stephan (1973–1978) und während seiner Tätigkeit an der Hochschule für angewandte Kunst (seit 1973 als Professor und 1979 bis 1987 bzw. 1991 bis 1995 als Rektor) stets verbunden. Als Mitglied des Kulturbeirates gab er Empfehlungen zu Kunstankäufen des Landes: Arbeiten von Giovanni Segantini, Max Oppenheimer, Rudolf Wacker, Herbert Boeckl oder Maria Lassnig gingen über seine Vermittlung in die Sammlung der Landesmuseen ein.

Oberhuber war in einem größeren Kontext anerkannt: 1972 gestaltete er mit Hans Hollein den Österreich-Pavillon in Venedig, 1977 und 1983 war er Teilnehmer der documenta in Kassel. 2004 erhielt er für seine Arbeit das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, zum 75er widmete ihm nicht nur das Ferdinandeum, sondern auch die Wiener Secession eine Einzelschau; 2013 würdigte ihn die Stadtgalerie Schwaz, 2016 das heutige Belvedere 21 mit einer 300 Exponate umfassenden Ausstellung.

Gearbeitet haben soll Oberhuber trotz körperlicher Beschränkung bis zu seinem Lebensende. Stets frei von Berührungsängsten, stets neugierig auf die eigenen Kunstwerke.

Reaktionen

„Ein großer Künstler, ein kritischer Geist, ein bewunderter Lehrer hat uns für immer verlassen.“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen

„Für Tirol ist der Tod von Ossi Oberhuber ist ein großer Verlust. Ohne ihn wäre das Ferdinandeum nicht so reich an großartigen Kunstwerken.“

Galeristin Elisabeth Thoman

„Sein Wirken, insbesondere an unserer Universität, erfüllt uns mit großer Dankbarkeit. Ohne ihn wäre die Angewandte nicht das, was sie ist.“

Gerald Bast, Uni-Rektor der Angewandten Wien

„Oberhubers Werk verdeutlicht die Innovationskraft und die Sinnhaftigkeit avantgardischer Kunst in der Zeit nach der Moderne.“

Karola Kraus, Direktorin des Wiener Mumok

„Das Besondere an Oberhuber war sein im besten Sinne kindliches Gemüt, die ewige Neugierde.“

Günther Dankl, Ex-Kustos am Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum


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