Sigmund Freuds „Traumdeutung“: (Alb-)Träume und Wirklichkeiten

Sigmund Freuds „Traumdeutung“, interpretiert von Dead Centre, feierte am Donnerstag Premiere am Wiener Akademietheater.

Alexandra Henkel, hier noch in der Rolle des Sigmund Freud, lauscht dem Traum der Zufallsbekanntschaft aus dem Publikum.
© Matthias Horn

Von Bernadette Lietzow

Wien –Very British! Locker und humorvoll, gewürzt mit einer Prise Klamauk und Bild- wie Witz-Anleihen bei den Monty Pythons, präsentierte sich vergangenen Donnerstag die Uraufführung des Stückes „Die Traumdeutung von Sigmund Freud“ am Akademietheater. Ob die Folgevorstellungen ähnlich oder ziemlich anders sein werden, steht, so man dem mit einiger Aufgeregtheit vermittelten und vom Pressebüro beglaubigten Konzept des Abends Glauben schenkt, in den Sternen.

Die britisch-irischen Theatermacher Ben Kidd und Bush Moukarzel aka „Dead Centre“ organisieren ihre Auseinandersetzung mit Sigmund Freud und dessen Basiswerk zur Psychoanalyse als Publikumsbeteiligungsprojekt. Und so ist es in der Premiere eine junge Frau namens Andrea, die der Aufforderung des Ensembles (Alexandra Henkel, Philipp Hauß, Johannes Zirner, Tim Werths) folgt, auf der Bühne einen Traum zu erzählen. Geburtsstunde eines Running Gags: Andrea berichtet von einer seltsamen Begegnung mit dem „Gruselrocker“ Alice Cooper in der Wiener Konzert-Location „Arena“, mit der Zeit werden dann sämtliche Beteiligten in allen möglichen und unmöglichen Situationen darauf anspielen. Bis man zum Ende der gut 90 Minuten in einem Kinderzimmer mit Alice-Cooper-Poster landet und Andreas Lieblingssong „Feed My Frankenstein“ lauschen darf.

Davor übernimmt die frisch engagierte „Träumerin“ von der witzig überforderten „Freud“-Darstellerin Henkel Bart wie Rolle des Analytikers. Sie findet sich, begünstigt von Zeit- oder aber Traumreise, in Freuds berühmtem Berggasse-Domizil anno 1900 wieder und macht die Bekanntschaft mit der vom Kindersegen überforderten Gattin (Henkel) und recht eigenwilligen Freunden (Hauß, Zirner, Werths). Kidd und Moukarzel schöpfen nun aus dem Vollen und montieren Begebenheiten und Begegnungen aus dem Leben des berühmten Arztes zu einer bunten Collage mit viel Spaß (Freud und Freunde sind alle­samt Koksnasen) und recht wenig Ernst (Antisemitismus im Lueger-Wien).

Reizend sind die animierten Videos (Sophie Lux), sehr lustig wird es, wenn Hannibals Elefanten, einen Traum des Analytikers zitierend, auf das Publikum zusteuern und Heroisches von Richard Wagner erschallt. Lob zu zollen ist der Zufalls-Träumerin, die die Bälle der mit offensichtlicher Freude am Tun agierenden Schauspieler beeindruckend gelassen pariert. Welchen Gewinn aber zieht man als Zuschauer aus dieser Freud-Travestie? Abseits eines vergnüglichen Theater-Ausflugs, bei dem man das Thema Psychoanalyse mitnimmt wie den Heizdeckenverkauf auf der Kaffeefahrt, dann leider doch recht wenig.


Kommentieren


Schlagworte