Ein „Filmdenkmal“ will politisch bleiben

„Mephisto“: Ein nahe­liegender Eröffnungsfilm für die Retrospektive des Filmarchivs Austria, die Kurator Florian Widegger dem Kammerschauspieler Klaus Maria Brandauer zum Jahresauftakt widmet.

Filmarchiv
Das Filmarchiv Austria widmet Brandauer (im Bild als Oberst Redl) eine Retrospektive.
© Filmarchiv

Wien –Ein echter Schauspieler, der einen fiktiven Schauspieler spielt, der einem anderen realen Theatermann nachempfunden ist: Die Rede ist von Klaus Maria Brandauer in seiner berühmtesten Filmrolle als Nazi-Kollaborateur Hendrik Höfgen und seinem Vorbild Gustaf Gründgens in „Mephisto“. Ein nahe­liegender Eröffnungsfilm für die Retrospektive des Filmarchivs Austria, die Kurator Florian Widegger dem Kammerschauspieler zum Jahresauftakt widmet. Eines stellt Brandauer im Gespräch zu dieser Opportunisten-­Figur gleich klar: Er habe einen Menschen aus Fleisch und Blut darstellen wollen, egal, welche falschen Entscheidungen dieser getroffen habe. Ein unpolitischer Künstler wolle er denn auch nicht sein, so Brandauer: „Zu sagen, ich interessiere mich nicht für Politik, ist eine sehr politische Aussage, und zwar eine saudumme. Wir müssen uns klar werden, dass etwas unbedingt zu verteidigen ist: unser geregeltes Zusammenleben in einer Demokratie.“

Vor seiner internationalen Filmkarriere war Brandauer bereits ein Bühnenstar. Das Theater mit dem Film betrogen habe „Filmdenkmal“ Klaus Maria Brandauer aber nie, erklärte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Brandauer selbst formuliert es diplomatischer: Es sei schön, „wenn man die Gelegenheit hat, beides zu machen“. Sein Durchbruch im Kino gelang „K.M.B.“ eben gerade als Theatermann. „Mephist­o“ bekam den Auslands-Oscar und brachte Brandauer den Golden Globe ein. Regisseur István Szabó streut seinem alten Freund bei der Retro-Eröffnung Rosen: „Ich glaube an die Gesichter der Schauspieler, von Rudolph Valentino bis Klaus Maria Brandauer. Es ist wunderschön, lebendig­e Gesichter zu zeigen, die Emotionen tragen, die sich ändern.“

Mit ihm drehte Brandaue­r noch „Oberst Redl“ und „Hanussen“ – „eine Trilogie über 100 Jahre europäische Geschichte“, auf die er stolz sei, so Brandauer. Eine späte vierte Zusammenarbeit ist gerade in Arbeit. (maw)

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