Hochwasserverbauung an der Drau: Sillian wird sicherer

Die Hochwasserverbauung an der Drau ist mit knapp 13 Millionen Euro das größte Wasserbauprojekt Tirols und soll bis 2023 fertig sein. Der instabile Boden und die nahe Bahnlinie machen die Arbeiten schwierig.

Zur Stabilisierung des Bahndamms müssen Holzpfähle in den Untergrund gerammt werden.
© Baubezirksamt Lienz

Von Catharina Oblasser

Sillian, Heinfels – Die Drau, so unscheinbar und schmal sie oft wirken mag, ist ein gefährlicher Fluss. Zumindest für die Gemeinde Sillian, die sie durchquert. Deshalb wird seit 2016 an einer umfangreichen Hochwasserverbauung gearbeitet, die nun zum Teil fertig ist. Das berichten Walter Hopfgartner von der Abteilung Wasserbau des Baubezirksamtes Lienz sowie der Sillianer Bürgermeister Hermann Mitteregger und sein Stellvertreter Anton Calovi.

„Von den rund vier Kilometern Projektstrecke sind 2,5 Kilometer schon verbaut“, erklärt Hopfgartner. Da nur in der Niederwasserzeit, also ungefähr zwischen September und Mai, gearbeitet werden kann, dauert die Fertigstellung noch bis 2023. Dabei müssen die Fachleute mit allerhand Herausforderungen rechnen. Der Ortskern von Sillian liegt nämlich tiefer als das Flussbett der Drau. In der Vergangenheit hat das zu Überschwemmungen geführt – trotz der Uferdämme, die noch aus den 1970er-Jahren stammen. Der Grundwasserspiegel ist hoch, sodass die Feuchtigkeit immer wieder in Keller einsickert. „Außerdem ist der Boden im Projektbereich nicht sehr tragfähig“, schildert Walter Hopfgartner ein weiteres Problem.

Große Wasserbausteine werden zur Sicherung im Drauufer versenkt.
© Baubezirksamt Lienz

Kernpunkt des Hochwasserschutzes ist, das Flussbett der Drau einzutiefen, sodass das Wasser im Fall des Falles mehr Platz hat und nicht über die Ufer tritt. Im fertigen Zustand wird der Schutzbau einem hundertjährigen Hochwasser standhalten können, zusätzlich hat man noch 75 Zentimeter Sicherheitsspielraum eingeplant. Stellenweise werden auch die Ufermauern erhöht.

Im Laufe der Bauarbeiten zeigte sich ein weiteres Problem: die fünf Brücken bzw. Stege in Sillian. „Sie alle haben Pfeiler, und das ging wegen der Verklausungsgefahr nicht“, erläutert Bürgermeister Mitteregger. Also wurde beschlossen, alle fünf abzureißen und pfeilerfrei neu zu bauen. „Die größte Brücke, jene beim Bahnhof, ist schon fertig“, sagt Mitteregger. „Die Asthof- und die Griesbrücke werden Ende 2020 abgerissen und neu gebaut.“ Auch der Bahnhofssteg ist für heuer im Plan vorgesehen.

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Walter Hopfgartner vom Wasserbauamt, Bürgermeister Hermann Mitteregger und Vizebürgermeister Anton Calovi (v. l.) stellten das Projekt vor.
© Oblasser

Die Arbeiten, die direkt neben der Bahnlinie durchgeführt werden, sind besonders heikel. Schon die kleinste Unregelmäßigkeit kann bewirken, dass sich die Gleise verziehen. Mit einer großen Zahl von Holzpfählen wird deshalb die Böschung stabilisiert, bevor das Steinmaterial eingebracht wird.

Obwohl das Hochwasserschutzprojekt erst seit 2016 läuft, war es schon einmal einer Bewährungsprobe ausgesetzt. Als im Herbst 2018 schwere Unwetter über Osttirol zogen, hat der bereits vollendete Teil der Verbauung einem hundertjährigen Hochwasser standgehalten. „Wir haben stundenlang gezittert, aber es ist letztlich gut gegangen“, erinnern sich Mitteregger und sein Vize Anton Calovi.

Dauer und Kosten

Bereich. Die Verbauung erstreckt sich über 4,2 Kilometer entlang der Drau, von der Einmündung des Villgratenbachs in der Gemeinde Heinfels bis zur Südtiroler Grenze bei Sillian-Arnbach.

Dauer. Die Arbeiten am Hochwasserschutz haben Anfang 2016 begonnen und liegen im Zeitplan. Im Laufe des Jahres 2023 soll alles fertig sein.

Kosten. Das Hochwasserschutzprojekt Sillian ist mit 12,9 Millionen Euro veranschlagt. Es ist das größte wasserbauliche Vorhaben, das zurzeit in Tirol läuft. 85 Prozent der Kosten übernimmt der Bund, die restlichen 15 Prozent tragen die beteiligten Gemeinden Sillian und Heinfels, die ÖBB, die Tiwag und andere Interessenten.


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