Begegnungszone in Jenbach noch nicht in trockenen Tüchern

Grundverhandlungen stehen beim Projekt „Untere Achenseestraße“ noch aus. Das sorgt für Unverständnis. Anrainer baten die Gemeinde zum Gespräch.

Jenbachs untere Achenseestraße soll umgestaltet werden.
© Zwicknagl Walter

Von Angela Dähling

Jenbach –4,15 Millionen Eur­o schwer und zwei Baujahre lang ist das Projekt „Begegnungszone Untere Achenseestraße“ der Marktgemeinde Jenbach. Schwer wiegt aber auch die Verunsicherung der betroffenen Grundbesitzer und Geschäftstreibenden. Weil möglicherweise schon im März der Baustart erfolgen soll, aber konkrete Verhandlungen mit Grundbesitzern noch nicht erfolgt sind, wurden die Anrainer selbst aktiv: Sie baten die Gemeinde um einen Gesprächstermin, um Antworten auf eine Reihe von Fragen zu bekommen. Zumal einige Gewerbetreiben­de fürchten, dass sie eine zweijährige Bauphase und damit eine erschwerte Erreichbarkeit ihrer Betriebe wirtschaftlich kaum überleben können.

Vorige Woche fand die Besprechung statt, bei der es zeitweise zu heftigen Wortwechseln gekommen sein und Bürgermeister Dietmar Wallner die Beherrschung verloren haben soll. Das streitet dieser auf Nachfrage der TT auch nicht ab: „Seit Jahrzehnten wirft man der Gemeinde vor, nichts zu tun. Jetzt haben wir ein Konzept, das Budget dafür und Fördermittelzusagen. Und dann gehen Einzelne her und wollen es verhindern. Und zwar gerade die, die der Gemeinde seit 20 Jahren Untätigkeit vorwerfen. Da reißt einem schon mal die Hutschnur.“

In der Diskussion soll ein Grundbesitzer kritisiert haben, dass die Gemeinde Luftschlösser baue. Weil mit einem Projekt geworben werde, ohne zu wissen, ob die Umsetzung möglich ist, da Gespräche mit Grundbesitzern nicht erfolgt seien. Wie berichtet, soll die als Einbahn geführte untere Achenseestraße zu einer verkehrsberuhigten Begegnungszone für Fußgänger, Rad- und Autofahrer werden. Damit einher geht eine drastische Reduktion der dortigen Parkplätze. Etliche der Stellflächen sind aber in Privatbesitz. Dem Vernehmen nach werden etliche Grundbesitzer ihre Parkplätze nicht aufgeben.

Der Jenbacher Bauamtsleiter Christian Wirtenberger versteht den Wunsch nach Antworten. Aber es sei dafür noch etwas zu früh. Man habe die Pläne des Wettbewerbssiegers weiterentwickelt. „Aber erst, wenn die zwei neuen Kasbach-Brücken realisiert werden können, funktioniert mein Konzept“, sagt Wirtenberger. Derzeit kämpfe er mit der Technik und Einwänden von einer Handvoll Sachverständigen, die ihm sagen würden, was alles aus welchen Gründen nicht gehe. „Ich kann nicht mit einem halben Projekt zu den Anrainern gehen“, sagt Wirtenberger. Das habe er bei der Besprechung auch erklärt. Man wolle die Durch- und Zufahrt während der Bauphase so gut es geht ermöglichen. „Es kann sein, dass wir ein Loch wegen Leitungsverlegungen fünfmal auf- und zumachen müssen – damit drübergefahren werden kann“, sagt er. Eine wöchentliche Baubesprechung mit Anrainern sei geplant. Zu Enteignungen werde es jedenfalls nicht kommen, stellt der Bauamtsleiter klar.

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Gewerbetreibende baten die Gemeinde um werbliche Unterstützung während der Bauphase. „Wir werden schauen, inwiefern das machbar ist“, sagt BM Wallner, der Verständnis für die Betriebe zeigt. Auch die Forderung nach einem Betriebsansiedelungskonzept wurde laut. In etliche leerstehende Geschäfte sind Spiellokale eingezogen. „Wir haben als Gemeinde da wenig Möglichkeiten. Dem Meistbietenden wird vermietet“, sagt Wallner und kritisiert, dass der Zustand mancher zu vermietender Lokale stark zu wünschen übrig lasse. Ein neu gegründeter Ausschuss solle sich des Themas annehmen.


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