Kritik an Sellners Besuch des Akademikerballs

Der Chef der rechtsextremen Identitären dürfte am FPÖ-Akademikerball teilnehmen.

Wie in den vergangenen Jahren hat das Bündnis „Offensive gegen Rechts“ wieder zu Protesten rund um den Ball aufgerufen.
© APA

Wien – Am kommenden Freitag findet in der Wiener Hofburg wieder der umstrittene freiheitliche Akademikerball statt. Auf der Straße sind erneut Proteste geplant. Der Unmut richtet sich vorwiegend gegen deutsch-nationale Burschenschafter, die bereits seit 1952 die Veranstaltung ausrichten und prägen.

Bis 2012 wurde die Veranstaltung vom Wiener Korporationsring (WKR) organisiert. Nach Differenzen mit der Wiener Hofburg übernahm die FPÖ Wien, die ihn in Akademikerball umtaufte. Neben freiheitlicher Prominenz und Burschenschaftern tanzten dort in der Vergangenheit auch stets rechtspopulistische Politiker aus ganz Europa. Kritiker sehen im Ball ein internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer.

Besondere Brisanz ergibt sich heuer daraus, dass sich der bisherige Stargast des Balls, Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, nach seiner Ibiza-Affäre mit der FPÖ überworfen hat. Ob der ehemalige Vizekanzler, der ja weiterhin politische Ambitionen haben dürfte, am Ball erscheinen wird, war bis zuletzt offen. Im November hatte Strache noch angekündigt, samt Ehefrau Philippa auf dem Ball der Korporierten feiern zu wollen. Damals war er aber noch FPÖ-Mitglied, mittlerweile ist er das ja nicht mehr. Ballorganisator und FPÖ-Landtagsmandatar Udo Guggenbichler berichtet im Vorfeld des Balls von einem guten Kartenverkauf.

Kommen wird offenbar Martin Sellner, Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung. Laut APA ist sein Besuch nicht bestätigt, aber mehrere Zeitungen berichten, dass er am Ball teilnehmen wird. „Dass Identitären-Chef Martin Sellner am Akademikerball der FPÖ teilnimmt, offenbart wieder einmal, dass es innerhalb der FPÖ keine klare Haltung gegen diese Organisation gibt“, kritisiert ÖVP-Mandatar Martin Engelberg. „Vor einiger Zeit meinte (FPÖ-Chef Norbert) Hofer, dass eine Verbindung zu den Identitären und eine Aktivität in der FPÖ unvereinbar seien. Die Teilnahme Sellners am Akademikerball macht diese Aussage aber völlig unglaubwürdig“, konstatiert Engelberg. Und: „Strömungen wie die Identitären haben in einer liberalen und aufgeklärten Gesellschaft nichts verloren.“

Sellners Ball-Besuch „zeigt einmal mehr, dass für die FPÖ die Abgrenzung vom rechten Rand nur Schall und Rauch ist“, befindet SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch. „Mit Sellner tanzen und zugleich nichts mit den Identitären zu tun haben, das geht nicht zusammen.“

Guggenbichler kontert, man werde sicher niemandem verbieten, die Veranstaltung in der Hofburg zu besuchen. „Der Wiener Akademikerball ist eine öffentliche Veranstaltung. Jeder kann sich im Internet dafür Tickets kaufen. Jeder Bürgerin und jedem Bürger steht es damit frei, den Ball zu besuchen.“ (sas, APA)


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