Filzmaiers Memoiren eines verhinderten Sportreporters

Um Peter Filzmaier (52) wird es selten ruhig. Und wenn doch, dann erinnert sich der Politikwissenschafter seiner Leidenschaft, des Sports.

Mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 1:12 Stunden gehört Polit-Experte Peter Filzmaier zu den schnellsten Hobby-Sportlern des Landes
© gepa

Von Florian Madl

Innsbruck – Da wäre es im Vorjahr gerade fast ruhig geworden um Peter Filzmaier und der Politikwissenschafter hätte sich endlich in Ruhe jenem Buchprojekt widmen können, das schon lange in seinem geistigen Orbit kreiste: ein Sportbuch mit Memoiren „aus der Sicht eines Fans“. Also seiner.

„Aber plötzlich passierte Ibiza – und es war nicht mehr so ruhig.“ Der 52-jährige Wiener war – zack, zack, zack – an allen Ecken und Enden der journalistischen Darstellungsformen gefragt, bis hin zum Feuilleton wollte man die Einschätzung des eingefleischten Barcelona-Fans zum Polit-Skandal ausschlachten. Und von Tiki-Taka, dem geradezu künstlerischen Spielstil seines katalanischen Lieblingsclubs, war mit einem Schlag keine Rede mehr.

Es erschien dann doch pünktlich, das Sportbuch „Atemlos“, und der Titel passt angesichts der Vorgeschichte. In drei Juli-Wochen geschrieben, es folgten Nachrecherchen parallel zu Regierungskrise und Nationalratswahl. Als Peter Filzmaier vor der gestrigen Lesung in einer Innsbrucker Buchhandlung darüber befand, konnte er schon fast wieder darüber lachen.

Doch wie viel von seinem Brotberuf steckt nun tatsächlich in „Atemlos“? „In der Politikanalyse ist man bisweilen mit scharfer Kritik konfrontiert. Aber bei einem Sportbuch hätte es mich mehr getroffen, wenn man es als langweilig eingestuft hätte.“ Denn Sport ist irgendwie anders und dann doch wieder nicht. Beispiel gefällig? „Eine der Lebenslügen von Organisatoren ist es, dass große Sportveranstaltungen unpolitisch sind“, meint Filzmaier. Doch auch in Sachen „demokratische Entscheidungsprozesse“, also Wahlen, sind Sport und Politik nach Meinung Filzmaiers nicht grundlegend unterschiedlich. „Es ist ein Dilemma, dass Demokratie von Verfassungen lebt, aber nur bei entsprechendem Demokratiebewusstsein überleben kann.“

Zurück zu den Erinnerungen Filzmaiers, die weit zurückreichen und doch stets präsent sind. Und wie eingangs erwähnt – ganz unpolitisch geht es nicht. Etwa in Sydney im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2000, als im Schwimmen der 4x100-m-Kraul-Bewerb hochstilisiert wurde. Australien holte entgegen der Erwartungen Gold und nicht die favorisierte USA. Das Rennen wurde zum Weltereignis erhoben – die US-Amerikaner hatten den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren.

Auch einen Lieblingssportler hat Peter Filzmaier: Michael Jordan, den Jahrhundert-Basketballer. Und da fällt ihm eine Schlagzeile der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles ein: „Was passieren kann, wenn Michael Jordan einen schlechten Tag hat.“ Über 30 Punkte steuerte der damalige College-Star zu einem US-Sieg bei – eine Ära begann. Was Sport und Politik denn unterscheidet? „Nur im Sport können wir Leistungen eindeutig messen und in Zahlen fassen.“

Während der anstehenden Olympischen Spiele in Tokio und der Fußball-EURO soll all das in seine TV-Analysen einfließen. Zwischendurch darf Peter Filzmaier nämlich für beide Ressorts analysieren.


Kommentieren


Schlagworte