Wasserstoffkorridor Brenner als Teil der Energiezukunft

Tirol soll gemeinsames Euregio-Pilotprojekt im Verkehrsbereich vorantreiben. Neue „Wasserstoff-Strategie 2030“ wird dabei einfließen.

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Molekularer Wasserstoff (H2) soll auch zur Energiewende beitragen. Tirol will sich hier im Anwendungsbereich strategisch positionieren.
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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der 2028 in Betrieb gehende Brennerbasistunnel soll die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene garantieren. Parallel dazu ist es aber auch erklärtes Ziel, die Mobilität entlang des Brennerkorridors und dessen Seitentälern grüner zu gestalten. Aus Sicht der Europaregion Tirol, Südtirol und Trentino wird auch ein Teil der Emissionsverringerung im Verkehrsbereich in der Wasserstofftechnologie liegen. Bereits Mitte November hat sich der EVTZ-Vorstand der Europaregion darauf geeinigt, dass die drei Länder hierfür bis Ende April 2020 ein Pilotprojekt unter dem Titel „Wasserstoffkorridor Brenner“ ausarbeiten und – im Falle einer (Förder-)Genehmigung durch die Europäische Kommission – auch umsetzen sollen. Hierfür ist ein Budget von 150.000 Euro bereitzustellen.

Die Landesregierung hat nun diese Woche ein diesbezügliches Abkommen beschlossen. Demzufolge soll Tirol bei der Projektentwicklung dieses Wasserstoffkorridors und Ausarbeitung des diesbezüglichen Förderansuchens die Federführung übernehmen.

Abgestimmt soll dieses Euregio-Projekt mit der „Tiroler Wasserstoff-Strategie 2030“ werden. Selbige liegt seit Kurzem von Seiten der Lebensraum Tirol Holding GmbH vor. Die Studie zeigt nicht nur den Status Quo zum Thema Wasserstoff im europäischen Raum, sondern auch jenen in Tirol und mögliche Potenziale in der Umsetzung auf.

Das Strategiepapier kommt zu dem Schluss, dass ein möglicher künftiger Wasserstoff­einsatz in Tirol neben den Bereichen Erzeugung und Speicherung insbesondere im Bereich der Nutzfahrzeuge im regionalen wie überregionalen Personen- wie Güterverkehr eine Rolle spielen könnte.

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Während der Einsatz von grünem Wasserstoff (erzeugt aus erneuerbaren Energiequellen) im Bereich von Gebäudeheizungen nur sehr eingeschränkt empfohlen wird und das Potenzial zur Direktanwendung in der Tiroler Industrie bis 2030 nur als eher gering eingestuft wird, ist im Verkehrsbereich das Gegenteil der Fall. Obwohl auch dort E-Konzepte den Vorrang genießen werden, könnten wasserstoffbasierte Brennstoffzellenfahrzeuge zum Einsatz kommen, wenn mit E-Fahrzeugen nicht ausreichende Distanzen erzielt werden können, so die Studie. In Tirol könnten bis 2030 zur Abdeckung des Bedarfs fünf Wasserstofftankstellen (Kufstein, Jenbach, Innsbruck, Brenner und Land­eck) entstehen.

Die Studienautoren sehen es grundsätzlich für sinnvoll an, Tirol für Wasserstoffanwendungen als „Leuchtturmregion“ zu positionieren. Hierfür sprächen u. a. das hohe Wasserkraftpotenzial zur Herstellung von grünem Wasserstoff sowie innovative Unternehmen (siehe Faktbox). Entsprechende Strukturen aufzubauen sei aber nur länderübergreifend sinnvoll. Und hier schließt sich der Kreis zur Europaregion.

Seit die neue türkis-grüne Bundesregierung das Motto ausgegeben hat, nicht erst 2050, sondern bereits im Jahr 2040 klimaneutral zu sein, ist auch in Tirol in Sachen Dekarbonisierung Justierbedarf gegeben. Das haben LH Günther Platter (VP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) erst unlängst bestätigt. Bis Ende des Jahres sollen die Tiroler Pläne evaluiert und adaptiert sein.

Wasserstoffprojekte in Tirol

Tankstelle: In Innsbruck wurde die erste öffentliche Wasserstofftankstelle Tirols im Mai 2015 in Betrieb genommen. Der dort vertriebene Wasserstoff wird aber noch aus fossilen Energieträgern gewonnen und per Lkw angeliefert. Die Tankstelle ist Teil des „Green Corridor“ (Wasserstoffautobahn von Kopenhagen bis Verona).

Zillertalbahn: Als erste Schmalspurbahn der Welt soll die Zillertalbahn mit Wasserstoff fahren. Der Regelbetrieb ist ab 2022/23 geplant. Eine Wasserstoffproduktion vor Ort soll aufgebaut werden. Das Projekt ist im Tal wieder umstritten.

MPreis: Mit Partnern will die Firma MPreis in Völs eine Wasserstofferzeugungsanlage errichten. Damit soll zuerst der Bäckereibetrieb, dann auch der Fuhrpark umgerüstet werden.

Tiwag: Der Landesenergieversorger will in Kufstein ein Wasserstoffzentrum für 20 Mio. € errichten. Start soll im Jahr 2022 sein.


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