Ferdinandeum: Übergang als spannende Zeit des Ausprobierens

Bis es mit dem Umbau des Ferdinandeums so weit ist, will sich das Museum nicht tot stellen, sondern immer wieder neu erfinden.

Vor dunkelgrünen Wänden wird die neu konzipierte Niederländer-Galerie im Tiroler Landesmuseum zu einem sinnlichen Erlebnis.
© Wolfgang Lackner

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Der Architekturwettbewerb für den Umbau des Ferdinandeums dürfte noch diesen Frühling ausgelobt werden, sobald die dafür notwendigen Papiere unterzeichnet sind, sagt Barbara Psenner, Vorstandsvorsitzend­e des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Selbst sie musste vor der donnerstägigen Eröffnung der Neuaufstellung der Niederländer-Galerie in der Kälte warten, bis sich die musealen Tore zum neu gestalteten Parcours öffneten. Der seiner labyrinthischen Anmutung wegen allein jeden Zweifler an einem musealen Umbau von der Wichtigkeit einer räumlichen Klärung überzeugen muss.

Bis es so weit ist, will sich das Museum aber nicht „tot stellen“, sagt Peter Scholz, der für die Kunst vor 1900 zuständige Kustos in Vertretung von Museumsdirektor Peter Assmann. Um diese Phase des Übergangs als „Zeit des Ausprobierens“ zu nutzen, indem sich die bestehenden Sammlungen alle drei bis vier Monate wandeln sollen. Kein Kunststück für ein Haus, dessen Depots mit exquisiten Objekten gefüllt sind, gleichzeitig aber auch potenziellen Stiftern und Leihgebern Lust machen soll, sich in das Haus einzubringen. Will das Ferdinandeum doch gerade in dieser Zeit des Umbruchs zeigen, dass Kunst auch Spaß machen darf, das Potenzial hat zu inspirieren, Emotionen zu erwecken, so Scholz.

Zu einem gesamtkunstwerklich angelegten Erlebnis beitragen soll auch die Präsentation der Objekte vor farbigen Wänden. Dunkelgrünen etwa bei der komplett neu aufgestellten Niederländer-Galerie. Deren Qualität für ein Provinzmuseum erstaunlich ist, nicht zuletzt durch Rembrandts „Alter Mann mit Pelzmütze“. Eines der absoluten Highlights der musealen Sammlung, das allerdings ausgerechnet bei der Neupräsentation der Niederländer durch Abwesenheit glänzt, ist das 1630 gemalte Gemälde doch für eine Ausstellung in Köln verliehen. Ein Manko, über das der Gastauftritt von Antonis van Dycks „Jupiter und Antiope“ von 1618 nur ungenügend hinwegtröstet.

Trotzdem bleiben die prachtvollen Blumen- und Früchtestillleben, die Landschaften und Genrebilder – etw­a der kleine feine „Bauerntanz um den Maibaum“ von Pieter Brueghel d. J. – ein Fest für die Augen, selbst wenn man deren Doppelbödigkeit nicht verstehen sollte. Der Vanitasgedanke, der in den Stillleben immer mitschwingt, die Metaphorik in den dramatisch durchpulsten Wasserbildern oder stillen Landschaften.

Das Tiroler Landesmuseum besitzt aber auch rund 1500 Zeichnungen und Druckgrafiken aus dieser Hochzeit niederländischer Kunst. Ihrer Lichtempfindlichkeit wegen bekommt sie der Ausstellungsbesucher allerdings kaum zu Gesicht. Auch die, die nun gezeigt werden, werden alle paar Wochen ausgetauscht.

Alle vier Monate werden die Objekte der Modernen Galerie in der ehemaligen Artbox wechseln. Während mit Peter Kogler und Oswald Oberhuber derzeit zwei sehr konträre Vertreter der Moderne aufeinandertreffen, will der für die Kunst ab 1900 zuständige Kurator Florian Waldvogel hier ab April aktuelle weibliche Positionen präsentieren. Ihm ist es in den vergangenen Monaten gelungen, „spannende Positionen quer durch alle künstlerischen Disziplinen“ als Dauerleihgaben für das Museum zu gewinnen. Martin Gostners mit Watte überzogenes „Monument für Sonntag“ von 2006 möbliert bereits jetzt den musealen „Nordkettenblick“.


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