Neugestaltung des Bozner Platzes: Alle Zeichen stehen auf Begegnungszone

Die Vorgaben für die Neugestaltung des Bozner Platzes liegen vor: Oberstes Ziel ist mehr Aufenthaltsqualität.

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Die Stadt hofft beim EU-weit auszuschreibenden Gestaltungswettbewerb auf viele gute Ideen für den Bozner Platz. Für die Neugestaltung wurde ein Finanzrahmen von ca. 3,5 Mio. Euro abgesteckt.
© Foto TT/Rudy De Moor

Innsbruck – Die Zukunft des Bozner Platzes liegt vielen Innsbrucker Bürgern und Geschäftsleuten am Herzen: Entsprechend groß war am Donnerstagabend das Interesse, als Vize-BM Uschi Schwarzl (Grüne) und Christian Müller, Leiter der städtischen Tiefbauplanung, die Vorgaben für den geplanten Gestaltungswettbewerb vorstellten.

Als zentrales Ziel wird eine „höhere Aufenthaltsqualität“ am Bozner Platz ausgegeben, wovon auch die Wirtschaft in der Innenstadt profitieren soll. Eine solche Attraktivierung ist aus Sicht der Stadtführung nur über eine Begegnungszon­e möglich – mit Tempo 20, niveaugleichen Oberflächen und Gleichberechtigung für Radfahrer und Fußgänger. Letztere dürften dann überall queren, Gehsteigkanten und Zebrastreifen entfallen. Indirekt soll der Platz so für den reinen Durchzugsverkehr, der aktuell rund 30 % der täglich 8000 Pkw-Fahrten ausmacht, unattraktiver werden.

Die Voraussetzungen für ein­e Begegnungszone sind laut Müller „optimal“, da am Platz schon jetzt eine hohe Fußgängerfrequenz (rund 10.000 pro Tag) bestehe.

Die Rahmenbedingungen für den offenen, EU-weiten Wettbewerb sind relativ detailliert: So sollen, um Gestaltungsspielraum zu gewinnen, alle Anwohner- und Kurzparkzonenplätze am Platz selbst wegfallen, ebenso die Bushaltestelle. Dafür sollen in der Adamgasse bestehende Kurzparkzonen- in Anwohnerparkplätze umgewandelt werden und die Behinderten-Parkplätze in die Wilhelm-Greil-Straße „wandern“. Generell sollen Flächen, die derzeit den Kfz „gehören“, schrumpfen (nur noch ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung).

Weitere Vorgaben: Die Erreichbarkeit der Landhaus- und der Zentralgarage muss erhalten bleiben. Das unterirdische WC wird endgültig entfernt, während der denkmalgeschützte Rudolfsbrunnen unverändert bleibt. Ob Grünflächen bestehen bleiben, ist den Planern freigestellt, auf jeden Fall sollen aber neue Bäume gepflanzt werden (was auch mehrere Bürger vehement forderten). Die Ausfahrt von der Adamgasse über den Bozner Platz Richtung Brixner Straße soll künftig nur für Buss­e und Lkw ohne Wendemöglichkeit erlaubt sein.

Aufenthaltsqualität ist das Gebot der Stunde, damit die Leute weiter in die Innen­stadt kommen.
Thomas Hudovernik 
(Obmann Innenstadtverein)

Der Planungsbereich für den Wettbewerb umfasst den Bozner Platz und die Übergänge in die angrenzenden Straßen. Für Brixner Straße, Adamgass­e und – auf Anregung von Stefan Gleinser (NEOS) – den Bereich bis zum Landhausplatz können die Planer optional Vorschläge einbringen, diese sind dann jedoch nicht Gegenstand der Juryentscheidung. Besonderes Augenmerk gilt dem südöstlichen Teil des Platzes, denn das Großprojekt der Raiffeisen-Landesbank, die, wie berichtet, ein neues Hauptgebäude und zugleich ein komplett neues Stadtquartier samt „Plaza“ plant, gilt als Riesenchance, die gesamte Achse vom Bahnhof in die Innen­stadt aufzuwerten.

Die Auslobungsunterlagen sollen nun fertig gestellt werden, die Juryentscheidung im Spätsommer bzw. Herbst fallen. Bevor dann die Detailplanung beginnt, soll es eine weitere Bürgerinfo geben. Natürlich sind auch die Polit­gremien zu befassen. Mit einem Baubeginn ist – im Ideal­fall – im Frühjahr 2021 zu rechnen. Der grobe Finanzrahmen für die Neugestaltung liegt bei 3,5 Mio. Euro.

Erste Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Innenstadtvereins-Obmann Thomas Hudovernik lobte die – lang geforderten – Umgestaltungspläne und plädierte dafür, sich „radikalere“ Ideen wie ein­e Sperre der Wilhelm-Greil-Straße vor der Hypo oder eine Fahrrad-Tiefgarage für die Zukunft offenzuhalten. Hoteliers sprachen sich dagegen für den Erhalt von Kurzparkzonenplätzen in der Adamgasse aus. Und WK-Bezirksobmann Karl Ischia kritisierte auf Facebook, der „Feldzug gegen die Autofahrer in Innsbruck“ geh­e weiter. Die „Neugestaltung des Platzes an sich“ befürwort­e man aber. (md)


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