Ruhige Demo gegen Akademikerball - Hofer beschwor Einheit

Die Demonstration gegen den freiheitlichen Akademikerball in der Wiener Hofburg ist am Freitagabend ruhig zu Ende gegangen. Bei der Schlusskundgebung vor der Staatsoper versammelten sich laut Polizei 1.200 Demonstranten. Gröbere Zwischenfälle gab es offenbar keine. Am Ball selbst unterstrich FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer die Bedeutung der Korporationen für die Partei.

„Ihr sei der wahre, der harte Kern, auf den man auch weiter aufbauen kann“, sagte Hofer bei seiner Rede am Burschenschafter-Ball, an dem zahlreiche FPÖ-Spitzenpolitiker teilnahmen. Der Burgenländer war an der Spitze der Ehrendelegation gemeinsam mit Ballorganisator Udo Guggenbichler und Wiens Vizebürgermeister Dominik Nepp in die Hofburg eingezogen.

In der Eröffnungsrede des FPÖ-Chefs, die in den vergangenen Jahren vom gescheiterten Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gehalten wurde, warnte Hofer vor einem Verlust der Freiheit, den es als burschenschaftlichen Wert zu verteidigen gelte. Denn „man will uns vorscheiben, wie wir zu leben haben“. Als Beispiele brachte er Debatten über Dieselmotoren oder Nahrungsmittel. Aber es würde auch versucht, vorzuschreiben, „wie wir zu denken und zu formulieren haben“, etwa beim Thema des Genderns in der Sprache.

„Und deswegen ist es so wichtig, dass wir eine gemeinsame Gesinnung haben. Wir dürfen uns auch wehren, wenn uns vorgeschrieben wird, wer diesen Ball besuchen darf und wer ihn nicht besuchen darf. Auch dagegen wehren wir uns zu Recht“, sagte Hofer. Im Vorfeld des Balles hatte es scharfe Kritik u.a. von SPÖ und ÖVP am Ballbesuch des Identitären-Sprechers Martin Sellner gegeben, dessen Bewegung vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Auch Guggenbichler betonte zuvor, er werde sich von den Medien nicht zur Diskriminierungen nötigen lassen.

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Die Demonstration gegen den Burschenschafter-Ball, zu welcher das Bündnis „Offensive gegen Rechts“ geladen hatte, startete am frühen Abend so wie in den vergangenen Jahren vor der Wiener Universität. Ab 17.00 Uhr hatten sich die Protestierenden beim Schottentor versammelt. Die Teilnehmer machten sich dann gegen 18.00 Uhr, ausgestattet mit Trommeln und einem „No Pasaran“-Transparent („Kein Durchkommen“, Anm.) sowie einem Lkw an der Spitze, auf ihren Marsch durch die Innenstadt. Dabei ertönten die obligaten Parolen wie „Alerta, Alerta, Antifascista“.

Kurz vor 19.00 Uhr erreichte der Demozug den Karlsplatz. Dort wurden Parolen wie „Rassistisch, sexistisch, ekelhaft - das ist die deutsche Burschenschaft!“ von der Menge skandiert oder Plakate mit Slogans wie „Nazis raus aus der Hofburg!“ hochgehalten. Die Demo klang bei der Oper mit musikalischen Darbietungen aus. Die Organisatoren schätzten die Teilnehmerzahl letztlich auf 2.200., die Exekutive schätzte diese auf 1.200.

Die Polizei stand mit 1.600 Beamten im Einsatz. Dass das Platzverbot heuer etwas größer gefasst war als im Jahr davor, habe „einsatztaktischen Gründe“ gehabt, hieß es. Die Sperren und Behinderungen sollten aber so klein als möglich gehalten werden.


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