Coronavirus-Verdachtsfall in Wien: „Frau geht es gut“

Jener chinesischen Staatsbürgerin, die am Samstagabend als Coronarvirus-Verdachtsfall in die 4. Medizinischen Abteilung des KFJ aufgenommen worden ist, „geht es heute subjektiv und objektiv gut“, sagte Oberärztin Sabine Hagenauer bei einer Pressekonferenz in Wien. Ob sie tatsächlich an dem Virus erkrankt ist, werden weitere Tests zeigen. In China stieg die Zahl der Todesfälle indes weiter.

Um die Kriterien für einen Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu erfüllen, müsste man Fieber, Husten oder Atembeschwerden und einen Aufenthalt in einem Risikogebiet aufweisen, erklärte Judith Aberle, Expertin für Viruserkrankungen an der MedUni Wien. Mittlerweile besteht der Verdacht, dass sich das Virus per Tröpfcheninfektion übertragen könnte.

Eine milde Symptomatik habe bei der jungen Flugbegleiterin den Verdachtsfall gerechtfertigt, so Oberärztin Sabine Hagenauer (rpt. Sabine). Der in einem Isolationszimmer untergebrachten Frau gehe es heute schon besser als gestern. Sie dürfte vor einigen Tagen in Wuhan gewesen sein. Sie wurde am Samstag gegen 21:30 Uhr von der Berufsrettung aus einem Hotel abgeholt und auf die 4. Medizinische Abteilung im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital gebracht. „Die Standardausrüstung jedes Rettungsmittels deckt den erforderlichen Kontaktschutz ab“, sagte Klaus Herbich von der Berufsrettung Wien.

Ergebnisse zu dem Verdachtsfall in Wien sollen bis Montag vorliegen. Das Gesundheitsamt Wien hat in der Folge alle unmittelbaren Kontaktpersonen der Frau erhoben und kontaktiert. Sie seien allesamt symptomfrei, so Ursula Karnthaler vom Wiener Gesundheitsamt. Ihnen wurde aufgetragen, ihren Zustand im Auge zu behalten. Falls sich der Verdachtsfall bestätigen sollte, würden weitere Personen informiert werden, erklärte Karnthaler. Das Hotelzimmer wurde gesperrt. Falls sich der Verdachtsfall bestätigt, wird es desinfiziert

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Das Innenministerium beruft für Montag einen Einsatzstab ein, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. „Derzeit gibt es keinen Grund zur Sorge in Österreich. Gleichzeitig ist es unsere Pflicht, im Hintergrund alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um die Österreicherinnen und Österreicher zu schützen“, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

Der chinesische Gesundheitsminister Ma Xiaowei teilte unterdessen mit, dass die Übertragungsfähigkeit des Coronavirus nach dem Ausbruch stärker werde und die Zahl der Infektionen weiter steigen könnte. Die Behörden wüssten nur wenig über das neue Virus und seien sich nicht sicher, welche Risiken durch Mutationen des Virus entstehen, so Ma. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief ein Krisentreffen ein.

Laut chinesischen Behörden starben bisher mindestens 56 Menschen an der Atemwegserkrankung. Auch in der Finanzmetropole Shanghai hat es einen ersten Todesfall gegeben. Bei dem Toten soll es sich um einen 88-jährigen Mann handeln, der bereits unter bestehenden Gesundheitsproblemen litt, erklärten die Behörden am Sonntag. Bisher seien insgesamt 40 Fälle der Atemwegserkrankung in der Millionenstadt bestätigt worden. Die Zahl der Infizierten in der gesamten Volksrepublik wird mit über 1.975 angegeben.

Trotz der steigenden Zahl der Todesopfer ist das neuartige Coronavirus in China nach Einschätzung der dortigen Gesundheitsbehörden nicht so gefährlich wie der SARS-Erreger. „Von dem her, was wir derzeit sehen, ist diese Krankheit tatsächlich (...) nicht so stark wie SARS“, sagte der Leiter des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle, Gao Fu, am Sonntag in Peking.

Die Provinzhauptstadt von Hubei, die Millionenmetropole Wuhan, ist besonders stark vom Coronavirus betroffen: Dort war der Erreger vor wenigen Wochen vermutlich auf einem Tiermarkt auf Menschen übergesprungen. In der Metropole mit elf Millionen Einwohnern werden bereits zwei Sonderklinik für Corona-Patienten gebaut. Die nationalen Gesundheitsbehörden schickten mehr als 1.200 Ärzte und anderes medizinisches Personal zur Verstärkung nach Wuhan.

Inzwischen wurden mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen Chinas weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Im gesamten öffentlichen Verkehr würden Fieber-Messstationen eingerichtet, gab die nationale Gesundheitsbehörde am Samstag bekannt. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion müssten „sofort“ in eine medizinische Einrichtung gebracht werden. Die südchinesische Stadt Haikou verfügte, dass alle Reisenden aus der Provinz Hubei rund um Wuhan 14 Tage lang in einem Hotel isoliert und medizinisch untersucht werden sollen.

Bestätigt sind drei Krankheitsfälle in Frankreich. Auch aus Kanada wird der erste Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus gemeldet. Die Gesundheitsbehörde von Toronto teilte mit, es handle sich um einen Mann, der kürzlich aus Wuhan zurückgekommen sei. Sein Zustand sei stabil. Auch in den USA, Thailand, Südkorea, Japan und Australien wurden bereits Erkrankungen mit dem neuen Virus registriert.

Als Reaktion auf das neuartige Virus wurde in China der Handel mit Wildtieren verboten. Da vermutet wird, dass das Virus von wilden Tieren auf den Menschen übertragen wurde, ordneten die Marktbehörden zudem an, alle Zuchtfarmen unter Quarantäne zu stellen. Nicht nur der Handel sondern auch der Transport von Wildtieren sei verboten.

In Peking blieben Kindergärten, Schulen und Universitäten weiter geschlossen. Die Schulen sind derzeit wegen der Neujahrsfeiertage geschlossen. Die Stadt selbst soll aber nicht gesperrt werden, sagte die Regierung von Peking.

Hongkong verhängte einen „Virus-Notstand“ für die Finanzmetropole, strich sämtliche Flug- und Schnellzugverbindungen von und nach Wuhan und kündigte die Schließung der beiden populären Vergnügungsparks Disneyland und Ocean Park an. Disneyland Shanghai, wo man rund um das chinesische Neujahr täglich rund 100.000 Besucher erwartet hatte, war bereits zuvor geschlossen worden.


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