Was die SPÖ nach der Burgenland-Wahl von Doskozil lernen will

Einigkeit und Kernthemen als Erfolgsrezept. Rote hoffen auf eine Abnützung der Grünen in der Regierung.

  • Artikel
  • Diskussion
Nach der Burgenland-Wahl war der Jubel bei der SPÖ groß. Jetzt geht es um Wien. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner (r.), Hans Peter Doskozil (2. v. r.), Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (2. v. l.).
© APA

Von Wolfgang Sablatnig

Wien, Eisenstadt – Hans Peter Doskozil ist bei der SPÖ der Mann der Stunde. Wie er das Burgenland künftig führen will, hat er noch am Sonntag klargemacht: Inhaltliche Vereinbarungen mit den anderen Parteien ja. Aber in der Landesregierung werden die Roten unter sich bleiben: Absolute ist Absolute.

In der ersten Reihe der Gratulanten für Doskozil jubelte am Sonntag Parteichefin Pamela Rendi-Wagner. Was kann sie, was kann die Bundespartei von Doskozils Erfolg lernen? Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch nennt im Gespräch mit der TT drei Punkte. Erstens die Motivation für alle Funktionäre und Mitarbeiter: „Man sieht, dass ein Wahlkampf mit sozialdemokratischen Kernthemen bestritten werden kann.“

Der zweite Punkt hängt mit dem ersten zusammen: „Es wird von der Bevölkerung honoriert, wenn man ihre Probleme aufgreift und Lösungen nach Möglichkeit gleich umsetzt.“ Dies ist aus der (Landes-)Regierung heraus aber leichter als in Opposition.

Drittens und am wichtigsten: „Es ist ein Erfolgsrezept, wenn alle an einem Strang in eine Richtung ziehen.“

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Will Deutsch diesen Punkt als Appell an die Parteigranden verstanden wissen, die Parteichefin arbeiten zu lassen? „Man kann das auch umgekehrt sagen, mit Blick auf die niederösterreichische Gemeinderatswahl: In Städten, wo es internen Streit gegeben hat, war das Ergebnis ein schlechtes. Es ist ein Appell an jeden Einzelnen, sich konstruktiv zu beteiligen.“

Nächster Stichtag für die SPÖ ist die Wiener Gemeinderatswahl im Herbst. Für Bürgermeister Michael Ludwig steht viel auf dem Spiel. Wenn es sich ausgeht, wird die Versuchung für andere Parteien groß sein, dem „roten Wien“ einen andersfarbigen Bürgermeister vorzusetzen.

Für Rendi-Wagner als Vorsitzende bedeutet die Wien-Wahl, dass niemand die Unruhe einer Obfraudebatte brauchen kann. Und dann? Doskozil meint, vor der nächsten Nationalratswahl müsse noch einmal besprochen werden, wer die Kampagne der SPÖ anführen soll.

Deutsch will diese Aussagen nicht kommentieren – und spricht lieber davon, wie gut das Verhältnis zwischen Doskozil und Rendi-Wagner sei. Doskozil habe Rendi-Wagner auch unterstützt, als Anfang Dezember über ihren Rücktritt spekuliert wurde.

Ohne interne Querschüsse werde sich auch Rendi-Wagner als Oppositionschefin profilieren können, hofft man bei der SPÖ. Und noch eine Überlegung gibt es, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand: Bis zur nächsten Nationalratswahl werde es noch dauern – Zeit, in der sich die grüne Konkurrenz in der Koalition mit der ÖVP abnützen kann.


Kommentieren


Schlagworte