Machtmann mit Machthunger: Clemens Ascher in der Galerie Rhomberg

Die Innsbrucker Galerie Rhomberg richtet Fotokünstler Clemens Ascher seine erste Einzelausstellung in Tirol aus.

Aus „Modernist Lunchbreak“ (2018): Clemens Aschers erste Einzelausstellung in Tirol findet derzeit in der Galerie Rhomberg statt.
© Ascher

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Gleißende Sonn­e und kein Lüftchen in der spröden Stadtwüste. Clemens Aschers Machtmänner tummeln sich auf dieser Bühne, gierig recken sie ihre Mäuler dem Burger, Hotdog oder dem verheißungsvollen roten Getränk entgegen. Diese kontrolliert­e Bildwelt kommt ohne Flecken aus.

Erstmals stellt der 1983 in Götzens geborene Fotograf in der Galerie Rhomberg sein­e Werke aus, neben einem Fotobuch und Ausflügen ins zeitlose Schwarz/Weiß u. a. die perfekt austariete Serie „Modernist Lunchbreak“.

Unübersehbar ist hier Aschers Liebe zur Werbefotografie. Das Handwerk hat der in eine Fotofamilie Hineingeborene beim Studium der „Advertising Art Direction and Photography“ im Hamburg gelernt, heute lebt er zwischen Wien und London. Parallel zu hochästethischen Mode­editorials und konsequent ausgeleucheter Produktfotografie entstanden Aschers freie Arbeiten, die sich von der sauberen Werbewelt aber nicht ganz frei machen – und auch nicht wollen. Der Titel „Unfathomabl­e Temptations“ verspricht es: „Unergründliche Versuchungen“ lauern allerorts, egal ob der Hunger nach einer fetten Mahlzeit oder der Hunger nach Macht.

In Aschers reizvoller Unnatürlichkeit – die Bildwelten werden am Computer entworfen – hat sich der Turbokapitalismus eingenistet. Gebaut wird dafür eine Bühne aus übereinandergelegten Farb­feldern, in feinem Pastell entsteht eine Einöde, die die einsamen Städte eines Giorgio De Chiric­o in die Gegenwart hievt. Ihre Bewohner sind vom ständigen Begehren nach bestimmten Produkten getrieben – keine Luxuswaren, sondern bildlich hochgejazzte Grundbedürfnisse werden hier inszeniert: Essen, Trinken, Sex.

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Das führt hin zur Omni­präsenz des geheiligten Softgetränks, rot wie das Coca-Cola-Logo und die Malboro-Packung in einem. Mit einem Augenzwinkern tritt das Getränk in der Ausstellung als Objekt aus dem Bild heraus – auch der Künstler ist also Teil des wirtschaftlichen Prozesses. Von irgendetwas muss schließlich auch er leben.

Ein moralischer Zeigefinger ist bei Ascher aber nicht zu finden. Genauso wenig wie eine Abscheu gegenüber Oberflächlichkeit. Aufsässiges oder Brüchiges wird man bei Ascher weiterhin vermissen. Und dennoch fordern etwa seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die mit der Ästhetik von Riten und Religion spielen, einen zweiten Blick ein. Schlussendlich wird klar, auch für den Betrachtenden lauert die Versuchung allerorts: Er ist versucht, an der sauberen Ästhetik hängen zu bleiben.


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