Fridays For Future in Osttirol: „Sind regionales Sprachrohr für die Wissenschaft“

Seit einem halben Jahr besteht in Osttirol eine „Fridays For Future“-Regionalgruppe. Die Aktivisten wollen Klimabewusstsein schärfen.

Für die bisherigen Freitagsdemonstrationen in Lienz konnten die Aktivisten jeweils mehrere hundert Teilnehmer mobilisieren.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz – Eine Versammlung von rund zwanzig Kindern und Erwachsenen im September in Dölsach war das erste Lebenszeichen der „Fridays For Future“-Regionalgruppe in Osttirol. Die Gruppe ist bunt gemischt, die Mitglieder arbeiten in diversen Berufsgruppen und sind ganz unterschiedlichen Alters.

„Wir sind kein Verein und haben keinen Sprecher“, erklärt der Musikschullehrer Helmut Beham. Vielmehr pflege man miteinander eine basisdemokratische Gesprächskultur, persönlich oder über Telefonkonferenzen. „An einer unserer Presseaussendungen tüfteln zehn Personen tagelang. Darin liegt unsere Kraft.“ Was die Leute verbinde, sei die ehrliche Sorge um den weltweiten Klimawandel und die Auswirkungen auf alles Leben. „Wir sind in Osttirol genauso betroffen von den wissenschaftlich unbestreitbaren klimatischen Veränderungen“, bekräftigt Beham. Es gebe in Österreich rund 25 Regionalgruppen. Die Osttiroler sind seit einem halben Jahr Teil der Organisation, die sich auf die Unterstützung von 26.800 Wissenschaftern allein im deutschsprachigen Raum beruft. Alle zwei Monate soll jede Regionalgruppe zu einer öffentlichen Veranstaltung einladen. Bei einer der bisherigen Freitagsdemonstrationen in Lienz hat Bischof Hermann Glettler persönlich seine Unterstützung für die Bewegung ausgesprochen.

„Wir müssen uns bewusst machen, dass wir so nicht weiterleben sollen. Jeder ist eingeladen, mit kleinen Dingen bei sich anzufangen“, meint Beham. „Das betrifft unseren gewohnten Alltag. Es geht um das Nachdenken über unser Konsumverhalten, die Vermeidung von Abfällen, um Weiterverwendung und Verzicht. Die weiße Pracht aus den Schneekanonen kommt zum großen Teil aus billigem Atom- und Kohlestrom – auch am Hochstein und am Zettersfeld, weil es im Winter zu wenig Strom aus Wasserkraft gibt.“

Um in der eigenen Region als Sprachrohr der Wissenschaft dienen zu können, haben Aktivisten von Fridays For Future Osttirol bei der Innsbrucker ZAMG-Meteorologin und Klimaexpertin Susanne Drechsel konkrete Auskünfte zur Situation im Bezirk Lienz erbeten und erhalten.

Sturm und Unwetter haben im November 2019 auch die Pustertalbahn der ÖBB in Osttirol getroffen. Die Strecke ist seither gesperrt.
© Christoph Blassnig

Drechsel sieht intensivere Niederschlagsereignisse, wie sie 2018 und 2019 in Osttirol zu beachtlichen Schäden geführt haben, „durchaus im Einklang mit dem, was man sich im Zuge des derzeitigen Klimawandels erwartet“. Die Adria und die Atmosphäre seien überdurchschnittlich warm. Mehr Wasser verdunste, in Staulagen regne und schneie dieses Wasser wieder aus. Problematisch gewesen seien die Stärke der Niederschläge wie im Jahr 2018 bzw. deren rasche Aufeinanderfolge, wie im November 2019 geschehen. Die regionalen Klimamodelle würden für die kommenden Jahre und Jahrzehnte für Osttirol heiße und trockene Sommermonate anzeigen. Im Herbst müsse man mit niederschlagsreichen Monaten rechnen, erklärte die Expertin der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die Osttiroler Klima-Aktivisten sehen ihre Warnungen bestätigt.


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