Gemeinsamer Kampf gegen Brustkrebs in Schwaz

70 Brustkrebs-Neuerkrankungen wurden im Vorjahr im zertifizierten Brustzentrum des Schwazer Bezirkskrankenhauses behandelt. Die fächerübergreifende Zusammenarbeit der Ärzte ist hier einzigartig.

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Karin Jeggle-Riha, Hannes Müller, Michaela Schwarzenbach, Brigitte Eder, Hannes Gänzer und Margit Holzhammer (v. l.) gaben gestern Einblicke in das Brustzentrum am Schwazer Bezirkskrankenhaus.
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Von Angela Dähling

Schwaz –Die schlechte Nachricht: Brustkrebserkrankungen nehmen zu. Die gute Nachricht: Die Heilungschancen und das Therapieangebot werden immer besser. Dazu trägt auch das Brustzentrum im Schwazer Bezirkskrankenhaus bei. Es wurde 2011 eröffnet und nun neuerlich rezertifiziert. „Dafür wird es alle drei Jahre für zwei Tage durchleuchtet“, erklärt der Leiter des Brustzentrums, Hannes Müller.

Tirolweit einzigartig sei, dass in Schwaz mehrere Fachabteilungen Hand in Hand im Brustzentrum arbeiten, betont die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Margit Holzhammer. Nämlich die Chirurgie, die Gynäkologie und die Radiologie. Brigitte Eder sorgt zudem als „Breast Care Nurse“ für die optimale Betreuung und Beratung von Brustkrebspatienten. Zudem kooperiere man noch mit der Innsbrucker Klinik. All das mache eine Therapie internationalen Standards wohnortnah möglich, erläutert Hannes Müller.

Um die Zertifizierung zu erhalten, müssen jährlich 50 neu Erkrankte behandelt werden. In Schwaz waren es im Vorjahr 70. Das liegt auch daran, dass das Schwazer Ärzteteam im Schwazer Spital in Sachen Brust-OP jetzt noch besser aufgestellt ist. Die Entfernung der Brust war im Krebsfall vor zehn Jahren oft unvermeidbar. „Heute wird die Brustdrüse unter der Haut entfernt und durch Rekonstruktionsplastiken ersetzt“, erklärt Müller. Auch mit Bauchfett könne am Schwazer Bezirkskrankenhaus eine einzelne Brust wieder so rekonstruiert werden, dass die Entfernung der krebserkrankten Brustdrüse optisch nicht sichtbar sei.

Laut Müller erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die Erstdiagnose erfolgt meist über die Radiologie. Rund 2000 Mammographien, 400 Brust-Magnetresonanztomographien und 90 Biopsien wurden laut Radiologin Michaela Schwarzenbach am BKH Schwaz im Vorjahr durchgeführt. Karin Jeggle-Riha (Leiterin der Gynäkologie am BKH) betont, wie wichtig die Vorsorge sei. Denn je kleiner der Tumor, desto größer die Heilungschance. Zum Thema Strahlenbelastung meint sie: „Ein Überseeflug sorgt für mehr Strahlenbelastung als lebenslange Mammographie.“

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„Eine Besonderheit im Bezirk Schwaz ist, dass vor allem im Zillertal viele familiär vorbelastet sind“, weiß der Facharzt. Wenn in der Familie vermehrt Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs vorkommen, kann man sich im Brustzentrum genetisch testen lassen. Von den 150 Brustoperationen im Jahr am BKH Schwaz seien zwischen 15 und 20 OPs prophylaktisch durchgeführt worden, da hier das Brustkrebserkrankungsrisiko durch erbliche Vorbelastung bei 70 bis 90 % gelegen sei. „Übrigens ist es ein Irrglaube, dass nur die mütterliche Linie bei Krebserkrankungen zu berücksichtigen ist. Auch die Familie väterlicherseits spielt eine Rolle“, sagt Müller. Und auch Männer können an Brustkrebs erkranken, zwei wurden 2019 in Schwaz deshalb behandelt.


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