Mozart lebt hier nicht mehr

„Mozart Moves!“ - Rolando Villazón inszeniert sieben Dramolette bei den Salzburger Mozartwochen.

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Der Südtiroler Georg Clementi inmitten des Mozarteumorchesters Salzburg: Am Montag ging die Uraufführung von „Mozart Moves!“ im Salzburger Landestheater über die Bühne.
© Witzgall

Von Jörn Florian Fuchs

Salzburg –Wie gern würde man jetzt eine herzliche Empfehlung aussprechen. Auf nach Salzburg! Mozartwochen-Chef Rolando Villazón hat ein wunderbares Stück inszeniert (Co-Regie Christina Piegger), nein, gleich sieben Stücke, dazu gibt es viel Musik, Tanz und und und. Doch leider ist der Abend im Salzburger Landestheater bar jeden Wunders, es fehlt ihm an Zauber, Kraft, Tempo und Stil.

Wobei es nicht uncharmant anfängt. Éric-Emmanuel Schmitt hat ein hübsches Komödchen geschrieben: „Ich liebe Mozart“ ist nicht nur der Stücktitel, sondern auch das Motto einer jungen, schüchternen Dame, die über eine Dating-Agentur nach einem Gleichgesinnten sucht und ihn nach kurzen, amüsanten Verwicklungen tatsächlich auch findet. Danach gibt es einen sehr seltsamen, völlig unmozartischen Thriller à la Stephen King, eine Krankenschwester quält ihren „Patienten“ im Rollstuhl, es stellt heraus, dass hier eine besondere Anti-Beziehung vorliegt. Dem Mann fehlen die Hände, seine Pflegerin will ihn mit Unmengen Lasagne füttern und schenkt ihm hernach eine Skulptur: zwei Hände ... Inspiriert ist das alles – angeblich – von Mozarts „Nachtmusique“-Serenade. Und schon begegnen wir zwei Beckett-Clowns (toll gespielt vom Tiroler Hanno Waldner und dem Südtiroler Georg Clementi), einer redet dem anderen ein, er höre Musik (man ahnt von welchem Komponisten) und treibt ihn in den Wahnsinn. Es folgen eher flache Reflexionen über Hirnforschung und Klangwahrnehmung, eine sehr fragwürdige Komödie (?), in der ein­e verschleierte Frau versucht, Nudeln zu essen – später stellt sich heraus, sie ist ein Mann. Banal und unwitzig!

John von Düffel wiederum liefert eine immerhin ansatzweise kluge Reflexion über Bots und Cybersex: Eine Prostituierte soll beweisen, dass sie kein Roboter ist, indem sie – zu Mozartsound – schlafen soll, aber künstliche Wesen können halt weder mit Musik noch mit Schlaf etwas anfangen ... Gegen Ende des gut zweieinhalbstündigen Abends folgt noch ein unfreiwillig ko(s)misches Geschwurbel über Wind und Klang und den Menschen und überhaupt.

Die Einzelszenen verbinden sehr ruckartig choreographierte Tänzerinnen und Tänzer (einstudiert von Reginaldo Oliviera), die den Umbau der eher spartanischen Bühne immens in die Länge ziehen. Das Gezucke geht öfters auch auf das Schauspielensembl­e über. Im Graben sitzt das kammermusikalisch besetzte Mozarteumorchester, Gabriel Venzago animiert es zu überwiegend lautem, knöchernem Spiel.

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Nach der Pause herrscht im Parkett fast schon freie Platzwahl, was man verstehen kann, weil man eben nicht versteht, wie solch ein uninspiriertes Durcheinander zustande gekommen ist. Rolando Villazón wiederum ist sicher ein toller Mozart-Botschafter, kurz vor der Premiere sah und hörte man ihn in der Stadt mit ein paar Mariachi-Kollegen ein Spontan-Publikum begeistern, um so entgeisterter war man danach im Landestheater.


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