Lärm, Müll, Übergriffe: Die Fasnacht hat auch ihre Schattenseiten

Eine junge Telferin, die im Ortszentrum lebt, berichtet von Lärmbelastung, Müll und Übergriffen. In Volders wurde ein junger Fasnachtler rassistisch beleidigt.

Symbolbild.
© thomas böhm

Telfs, Volders –Vor dem großen Schleicherlaufen am Sonntag, dem Höhepunkt der nur alle fünf Jahre stattfindenden Telfer Fasnacht, sind Vorfreude und Begeisterung schier grenzenlos.

Vereinzelt hört man aber auch von Schattenseiten der Fasnacht – etwa in einem (anonymen) offenen Brief einer jungen Telferin an die Gemeinde, der auch der TT vorliegt: Die Studentin, die im Ortskern wohnt, kritisiert, dass die Anrainer dort seit Beginn der Fasnacht an Wochenenden keinen Schlaf mehr fänden, sie berichtet von „testosterongeladenem Schreien und Brüllen“, Raufereien und lauter Musik um 4 Uhr morgens. Als junge Frau sei sie schon um 8 Uhr abends sexistisch angepöbelt, angefasst und belästigt worden. Hinzu komme Müll auf den Straßen – Plastikbecher, Glasflaschen und Zigaretten ebenso wie der „Mageninhalt einiger schwacher Trinker“.

„Man kann die Belastung im Ortszentrum nicht wegreden“, sagt Fasnachtsobmann BM Christian Härting. Grundsätzlich sei es positiv, dass die Telfer die Fasnacht intensiv mitleben, alle Veranstaltungen und Gruppenlokale seien behördlich genehmigt. Dafür, dass sich im Rahmen der Wagentour „2000 bis 3000 Leute bis 4 Uhr Früh im Zentrum aufhalten“ und viel Alkohol fließt, „halten sich die Beschwerden auch sehr in Grenzen“. Das sei auch ein Verdienst der Gruppen, die aktiv Kontakt zu den Anrainern suchten. Früher sei an bis zu fünf Wochenenden gefeiert worden, das habe man auf drei begrenzt. „Erschwerend kommt heuer sicher das Rauchverbot hinzu, weil mehr Leute vor der Tür stehen.“ Die Gemeinde versuche mit Straßensperren und Security-Personal (nach 12 Uhr) zur Sicherheit beizutragen, der Müll werde rasch beseitigt. „Für die Zukunft müssen wir aber sicher schauen, dass alles nicht immer noch größer wird.“

Johann Ortner, Postenkommandant der Polizeiinspektion Telfs, sieht im Vergleich zu früheren Fasnachten keine Steigerung an Vorfällen. Wenn man berücksichtige, wie viele Leute unterwegs seien, sei die Fasnacht aus polizeilicher Sicht bisher recht unauffällig verlaufen. Sachbeschädigungen und zwei oder drei Schlägereien seien angezeigt worden: „Und es gibt Rauschige, die nicht mehr heimfinden.“ Um das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen, zeige man von Donnerstag bis Samstag stets mit zusätzlichen Bestreifungen Präsenz. Am Wochenende des 18. und 19. Jänner sei besonders viel los gewesen, hier habe es durchgehend zwei Streifen gebraucht. „Aber an den meisten Tagen, an denen die Wagen geöffnet waren, ist gar nichts passiert“, betont Ortner.

In Telfs gab es heuer nicht mehr Vorfälle als bei früheren Fasnachten.
Johann Ortner (Postenkommandant Telfs)

Ein ganz anders gelagerter Vorfall sorgte am Samstag beim „Mullerschaugn“ in Volders für Empörung: Ein junges Mitglied der Faschingsgilde Oberperfuss mit dunkler Hautfarbe wurde von einem Burschen aus dem Publikum mit einem heftigen rassistischen Spruch beleidigt. Dietmar Schmid, Obmann der Faschingsgilde, machte das auf Facebook öffentlich und bezog klar Position: „Wir sind stolz, dass wir so einen feinen Burschen, wie du es bist, von klein auf in unserem Verein haben“, meinte er in Richtung seines jungen Fasnachtlers. Der Beitrag wurde über 38.000-mal angeklickt, in Dutzenden Kommentaren zeigten die User Solidarität mit dem jungen Oberperfer.

Der Beleidiger – der vor Ort ausfindig gemacht wurde – und seine Familie haben sich telefonisch bei der Familie aus Oberperfuss entschuldigt, diese sieht von einer Anzeige ab. Zudem wird es ein persönliches Treffen geben. (md)


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