Weniger Zucker schmeckt Käufern: Spar will weiter reduzieren

1000 Tonnen Zucker hat Spar seit Anfang 2017 durch die Überarbeitung der Eigenmarken-Rezepturen eingespart. Und es sollen 2000 Tonnen mehr werden.

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Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel (r.) appelliert mit Mediziner Friedrich Hoppichler, übermäßigen Zuckerkonsum zu vermeiden.
© Spar

Von Cornelia Ritzer

Wien – Wie viel Zucker in den Lebensmitteln steckt, zeigt meist erst der Blick auf die Inhaltsstoffe. Kein Wunder, dass 92 Prozent der Österreicher ihren eigenen Zuckerkonsum um ein Vielfaches unterschätzen. Das ergab ein­e repräsentative Befragung von Marketagent im Auftrag der Firma Spar. Hierzulande nimmt jeder rund 91 Gramm Zucker am Tag zu sich, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt hingegen täglich nur 50 bzw. idealerweise 25 Gramm Zucker.

Wie viel Zucker Mayonnaise, Eistee oder Cornflakes wirklich haben, zeigt auch die „Zucker-raus-Initiative“ der Handelskette Spar. So enthält die Bio-Mayonnaise der Eigenmarke nun um 31 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Produkte, die Süße im Eistee wurde in zwei Schritten um 17 Prozent und dann nochmal um 15 Prozent gesenkt, und die Cornflakes schmecken nun auch mit 20 Prozent weniger Zucker. Die Reduktion werde erreicht, indem die Rezepturen unter die Lupe genommen werden, denn, betont Spar-Chef Gerhard Drexel, „der Geschmack soll natürlich nicht leiden“.

1000 Tonnen Zucker wollte Spar aus „gesellschaftlicher Verantwortung“ in seinen Eigenmarken bis Ende 2020 reduzieren. Das Ziel wurde „bereits ein Jahr früher als erwartet“ erreicht, freute sich Vorstandsvorsitzender Drexel gestern. Und er betonte: „Wir haben den eingesparten Zucker in keinem Fall durch künstliche Süßstoffe ersetzt.“ Diese gelten nämlich als noch gesundheitsschädlicher, warnte Friedrich Hoppichler, Vorstand des Vereins Sipcan. Jetzt folge der nächste Schritt. Drexel: „Wir haben unser Ziel erneuert und wollen bis Ende 2021 insgesamt 2000 Tonnen Zucker einsparen.“ Mit an Bord der Initiative hat der Lebensmittelkonzern heimische Hersteller, insgesamt zählt die Allianz gegen zu viel Zucke­r 38 Unterstützer, darunter Almdudler, Vöslauer oder auch Mona Naturprodukte. Die Zucker-Reduktionsmenge aller Partner beträgt über 6700 Tonnen.

Wie wichtig es ist, dass die Zuckermenge in der Nahrung reduziert wird, betonten auch mehrere Mediziner. Neue Studien würden zeigen, dass durch Übergewicht bzw. Adipositas und der daraus resultierenden Erkrankungen – wie die nicht alkoholische Fett­leber, Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder so genannte „stille Entzündungen“ – die Sterblichkeitsrate steige. Die nicht alkoholische Fettleber sei eine der bedeutendsten Zivilisationserkrankungen und übermäßiger Zuckerkonsum eine ihrer häufigsten Ursachen. Diabetiker hätten zudem ein zweifach höheres Risiko für Demenzerkrankungen, betonte Susanne Kaser, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft und stellvertretende Direktorin der Inneren Medizin an der Klinik Innsbruck. Kaser schlägt vor, Unter­suchungen zur Frühentdeckung von Diabeteserkrankungen in die Gesundenuntersuchung zu integrieren.

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