Sechs Landecker Gemeinden auf dem Weg, klimafit zu werden

Seit zwei Jahren bereiten sich sechs Gemeinden auf den Klimawandel vor. Die Modellregion wurde verlängert. Noch fehlen Mobilitätsprojekte.

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Die Vertreter der Gemeinden, der Tourismusverbände, des Naturparks Kaunergrat, von RegioL und der Landwirtschaftskammer zogen mit LHStv. Ingrid Felipe und Projektbetreuerin Ulli Totschnig Bilanz.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Fließ – 16 neue Trinkbrunnen für durstige Familien und Sportler, die Förderung von Regenwasserspeichern, ein Sortengipfel, der sich mit anpassungsfähigen Obstsorten beschäftigte, Workshops in Schulen und ein Projekt, um auch den Wald und die Alm klimafit zu machen – das sind einige von insgesamt 13 Vorhaben, die im Rahmen des Projekts „Klar! Kaunergrat“ umgesetzt worden sind.

Das Bild, das Klimaexperten zeichnen, ist düster – manche erwarten, dass es in den nächsten 80 Jahren zu einem Temperaturanstieg von vier Grad kommen könnte.

Vor zwei Jahren haben sich die sechs Gemeinden Fließ, Prutz, Faggen, Kauns, Kaunerberg und Kaunertal, die Tourismusverbände TirolWest und Kaunertal Tourismus auf die Idee des Regionalmanagement Landeck hin zusammengeschlossen, um eine Klimawandelanpassungsmodellregion zu werden. Es gehe darum, sich besser auf bereits unaufhaltsame Entwicklungen des Klimawandels vorzubereiten, erklärt Projektkoordinatorin Ulli Totschnig gestern bei einer Bilanzpressekonferenz. In der Region konnte man die Auswirkung der globalen Erwärmung in den vergangenen Jahren hautnah erleben, so wurde in Fließer Messstellen ein Temperaturanstieg von rund 1,5 Grad registriert, wie der Fließer Bürgermeister Hans-Peter Bock erklärte.

In der Modellregion wurden bisher insgesamt 510.000 Eur­o in die diversen leadergeförderten Klar!-Projekte investiert – nun wurde die Modellregion auf zwei weitere Jahre verlängert.

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Der Interreg-Rat hat bereits sieben geplante Vorhaben mit einer Gesamtinvestitionssumme von 120.000 Euro bewilligt. Sie stehen in den Startlöchern und reichen von Beregnungskonzepten über Versuchsflächen für die Wiederbegrünung nach Dürreschäden und Klimaschulworkshops bis hin zu grenzüberschreitendem Austausch von Einsatzorganisationen, die durch Naturkatastrophen immer mehr gefordert werden. Aber auch Projekte, die auf den ersten Blick nichts mit dem Klimawandel direkt zu tun haben, werden finanziert. Wie ein Tourismusprojekt im Kaunertal mit dem Titel „Geschichte(n) erzählen“. Vielmehr sei es ein neues Angebot, um auf veränderte Tourismusströme im Sommer zu reagieren – so die Erklärung

Großes Thema in Zeiten einer Klimakrise ist der Verkehr. Im Rahmen von Klar! gibt es derzeit allerdings kein bewilligtes Projekt. Obwohl Mobilität auf der Agenda steht. Zwar gebe es die Idee des E-Car-Sharings – ausfinanziert ist sie aber noch nicht.

Lob gab es gestern von LHStv. und Umweltlandesrätin Ingrid Felipe. Man könne nur gemeinsam auf die Klimaveränderung reagieren. „Mit Klar! sind wir einen Schritt voraus“, betonte sie. „Wenn man den Klimaschutz ernst nehmen will, werden wird auch unser Mobilitätsverhalten anpassen müssen.“ Wenn irgendwann eine Treibstoffbesteuerung komme, werden es sich nicht alle leisten können, mit dem Auto unterwegs zu sein – dann brauche es Angebote.

Dass die Situation des öffentlichen Verkehrs im Bezirks Landeck in vielen Gemeinden katastrophal ist und aufgrund dieser Defizite viele gar nicht die Möglichkeit haben, auf das Auto zu verzichten, dem will Felipe, die auch dieses Ressort verantwortet, nicht wiedersprechen. Man arbeite daran.

Man sei dabei, für 2021 im Obergricht eine höhere Taktfrequenz zu bekommen, kündigte der Kaunertaler Bürgermeister Pepi Raich an.


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