Grat-Abtragung für neue Piste am „Medrigkopf“ in See untersagt

Das Projekt „Medrigkopf“ im Paznauntal erhielt keine naturschutzrechtliche Genehmigung. Die Behörde schlägt aber eine Alternative vor.

Für eine neue Piste soll ein Grat im Bereich des Medrigkopfs in See teilweise abgetragen werden.
© Landesumweltanwalt Tirol

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, See –Im ganzen Wirbel um den heftigst umstrittenen Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal geriet das Bahn- und Pistenprojekt „Medrigkopf“ der Bergbahnen See im Paznauntal in den vergangenen Monaten öffentlich beinahe in Vergessenheit. Unabhängig von der nicht zu vergleichenden Dimension beider Projekte – eine Parallele liegt auf der Hand. In beiden Fällen hätten Berggrate zum Teil abgetragen werden sollen. Hätten, weil im Falle von Pitztal/Ötztal noch nichts entschieden ist – die UVP-Verhandlung wurde unlängst auf Betreiben der Projektwerber wieder abberaumt – und im Fall von See die Behörde dem Projekt „Medrigkopf“ bereits im Herbst 2019 die naturschutzrechtliche Genehmigung versagt hat, wie aber erst jetzt bekannt wurde.

Eingereicht hatten die Bergbahnen See, wie berichtet, u. a. die Errichtung einer Einseilumlaufbahn auf den Medrigkopf samt Tal- und Bergstation, den Bau einer über 700 Meter langen Piste sowie eines rund 1,4 Kilometer langen Skiwegs. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung war nicht notwendig.

Für die Skipiste hätte der dortige Berggrat auf einer Länge von rund 100 Metern um bis zu fünf Meter abgetragen werden sollen. Auch für den Skiweg wäre eine teilweise Kappung um gut 50 Meter vorgesehen gewesen. Dazu heißt es im Bescheid, dass „es zu einer gänzlichen Umgestaltung dieses Gratbereiches“ komme. In Summe wären bei Umsetzung des Gesamtprojektes 118.000 Kubikmeter Material abgetragen und 132.500 Kubikmeter wieder aufgetragen worden. Was jedoch das vorgebrachte „öffentliche Interesse“ betreffe, so wird festgestellt, dass das Projekt „in sich stimmig“ und geeignet sei, die Positionierung des Skigebietes konsequent fortzuführen sowie Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität langfristig zu sichern. Und so kommt die Naturschutzbehörde am Ende der Interessenabwägung zu einem bemerkenswerten Schluss: „Aus alledem überwiegen die langfristigen öffentlichen Interessen die Beeinträchtigungen der Naturschutzinteressen.“

Wieso der Bescheid dann trotzdem negativ ausgefallen ist? Weil die Behörde in der vorgeschriebenen „Alternativenprüfung“ eine Variante aufgezeigt hat, die nicht nur „technisch umsetzbar“, sondern auch alle wesentlichen Ziele des beantragten Projekts ebenso verwirklichen könne: So wurde im Rahmen der mündlichen Verhandlung vom naturkundefachlichen Amtssachverständigen die Herabsetzung der Bergstation vorgeschlagen. Dadurch würden die Kappung des Berggrates, aber auch massiven Eingriffe im Gipfelbereich hinfällig werden. Auch wenn die Versetzung der Bergstation eine Kürzung der neuen Skipiste um 30 Prozent und eine Beschneidung des Skiwegs nach sich ziehe, handle es sich „(noch) um solche Abstriche, die vom Projektwerber hingenommen werden müssen“, so die Behörde. Der negative naturschutzrechtliche Bescheid fußt also auf dieser „besseren Alternative“.

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Über die Art der Entscheidung war auch Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer „sehr überrascht“. Dass eine positive Interessenabwägung durch die Alternativenprüfung ausgehebelt werden kann, sei zwar verfahrensrechtlich möglich, komme aber in der Praxis „sehr selten“ vor. Mit dem abschlägigen Bescheid ist Kostenzer trotzdem zufrieden: „Das ist ein weiteres Signal der Behörden, dass der bisher übliche Weg ,alles geht‘ so nicht mehr funktioniert.“

Beschwerde dagegen haben die Bergbahnen See keine eingelegt, bestätigt Geschäftsleiter Herbert Zangerl. Hausintern würden jetzt „mehrere Möglichkeiten geprüft“, wie es mit dem Projekt weitergehen könne. Für nötige Geländebegehungen müsse man aber zunächst das Winter­ende abwarten.


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