US-Traum geplatzt: Extremradler Grüner hängt Karriere an den Nagel

Weltrekordler Patric Grüner (35) kehrt dem Extremradsport den Rücken. Das „Race Across America“ scheiterte, nun backt der Ötztaler kleinere Brötchen.

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Vor drei Jahren stellte sich Patric Grüner bereits erfolglos dem Race Across America – der für heuer geplante Auftritt fiel ins Wasser.
© andre

Von Roman Stelzl

Längenfeld – Gut 5000 Kilometer und 52.000 Höhenmeter auf dem Rennrad von der Westküste der USA zur Ostküste – und das quasi ohne Pause. Was für die meisten wie ein Albtraum klingt, ist für Patric Grüner der größt­e Traum seines Lebens: das Race Across America, kurz RAAM, eine der größten Herausforderungen für Extremradsportler. 2017 warf das Extremrennen den Längenfelder nach fast 3600 km ab. Eine schwere Muskelermüdung im Nacken war der Grund, sogar eine Querschnittslähmung drohte. Grüner wollte nicht aufgeben – er wollte zurück. Heuer, nach Jahren der Vorbereitung, sollte es im Juni endlich klappen. Doch es kam anders. Ganz anders.

Patric Grüner: „Die Motivation ist einfach nicht mehr da, um ein neues Projekt anzugehen. Ich schließe daher das Kapitel.“
© Gruener

„Ich beende mit sofortiger Wirkung meine Karriere als Extremradsportler“, sagt Grüner, gefolgt von einem schweren Seufzer der Enttäuschung. Es kommt überraschend. Noch im Herbst des Vorjahres hatte der 34-Jährige einen Höhenweltrekord aufgestellt, war in Sölden in 48 Stunden nonstop 36.900 Höhenmeter bergauf geradelt.

Es sollte die perfekte Werbung sein für das „RAAM 2020“. Doch all das Klinkenputzen bei den Sponsoren blieb ohne Erfolg. Auch mit enger geschnalltem Gürtel fehlten am Ende 20.000 Euro Budget. „Wir haben alles versucht, damit es klappt, aber es ist sich leider nicht mehr ausgegangen. Es wäre die Chanc­e dagewesen zu gewinnen“, erklärte Grüner. Mit dem geplatzten US-Traum ging die letzte Türe zu, durch die der Sieger des Race Around Austri­a 2018 unbedingt noch gehen wollte.

„Die Motivation ist einfach nicht mehr da, um noch mal ein neues Projekt anzugehen. Ich schließe daher das Kapitel für mich“, ergänzte der Mitbetreiber einer Frühstückspension in Längenfeld. Aber geht das einfach so? Wird das stunden- und tagelange Quälen, das Abspulen Tausender Kilometer mit nur wenigen Minuten Pause, nicht irgendwann zur Sucht? „Im Moment ist es ein befreiendes Gefühl. Jetzt habe ich wieder den Kopf frei für andere Sachen“, ergänzte Grüner, der sich 2018 noch den Vizeweltmeistertitel im Ultra­marathon schnappte.

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Während das Extreme nun ruht, hat sich bereits ein­e neue Aufgabe gefunden: Beim Team MooserWirt wird Grüner bei kleineren Rad-Rennen noch einmal in die Pedale treten. Unter den „Alleingängen“ quer durch die USA ist ein Schlussstrich gezogen. Aber wie schon gesagt: ein Albtraum für den einen, ein Traum für den anderen.


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