John Scofield im Innsbrucker Treibhaus: Der Zauber des Proberaums

John Scofields Solotour bringt den Übergitarristen erstmals alleine auf die Treibhaus-Bühne.

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Gitarrist John Scofield bei seinem Solo-Gig in Innsbruck.
© Thomas Boehm / TT

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Ein Meistergitarrist lud zum Meisterkonzert. Da war der Andrang im Treibhausturm dementsprechend groß. Und das, obwohl John Scofield nicht das erste Mal im Innsbrucker Konzerthaus gastiert. Erstmals steht er dort am Mittwoch allerdings alleine.

Dabei hatte Scofield in seiner Karriere schon einige Musikgrößen an seiner Seite. 1982, fünf Jahre nach Erscheinen seines ersten Albums, holte ihn der große Miles Davis für dreieinhalb in seine Band. Scofields letzte langjährige Zusammenarbeit. Danach versammelte das „Who is who“ des Jazz auf seiner Bühne: Pat Metheny, Charlie Mingus, Herbie Hancock, Chick Corea, um nur einige zu nennen.

Geblieben ist dem heute 68-Jährigen am Mittwochabend nur seine Ibanez-Gitarre. Die Vielfalt an Inspirationen und Einflüssen steckt in Scofields Kopf – und seinen Fingern. Sein unverwechselbarer Anschlag und der leicht verzerrte Sound machen Scofields Handschrift aus. Spielend leicht switcht er damit zwischen den Stilen.

Gleich nach einem vorsichtigen Auftakt mit „I will“ verliert sich der Guitarero im Improvisationsturm. Nicht die große Pose, sondern der intime Rahmen macht hier den Zauber aus. Im Publikum bekommt man den Anschein, als säße man im Proberaum des Übermusikers: Scofield stimmt nach, bevor er über Saiten, Bünde hinwegfliegt und durch Pentatoniken und Modi hindurchstürmt. Per Effektgerät sampelt er bestimmte Phrasen und legt Soli darüber – das ist anfangs zwar spannend, wird nach einigen Kostproben aber zäh. Auch seine Experimente mit Lautstärke und Picking sind zwar für die Gitarristen unter den Zuschauern schmackhafte Goodies, für das breite Publikum aber einigermaßen ungenießbar.

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Gesang im klassischen Sinne gibt es bei Scofield ebenso keinen. In einer Art Sprechgesang murmelt der Gitarrist etwa „Roll Over Beethoven“ ins Mikro. Endgültig abgeholt hat er die von all der technischen Brillanz überwältigten Zuhörer erst in der zweiten Hälfte des Konzerts: Das Programm wird zunehmend bluesiger und damit zugänglicher. Nummern wie „Junko Partner“ oder Henri Mancinis „The Days of Wine and Roses“ finden Einzug in Scofields Sets. Und auch für Bob Dylans „Blowin’ In The Wind“ oder den irischsten aller irischen Songs, „Oh Danny Boy“, findet Scofield eigenwillige Interpretationen.

Alles in allem: Der Einblick in den Probenraum einer Jazzgröße ist interessant, umso mehr hofft man danach auch, dass Scofield sich fürs nächste Programm wieder Mitmusiker sucht, mit denen er sich matchen kann.


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