Lob und Kritik für Deutschgebot: „Deutsch schafft auch Gemeinsamkeit“

Grüne Kritik aus Landeck und grünes Lob aus Reutte für BM Oberers Deutschgebot in Reuttes Kindergärten.

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© Helmut Mittermayr

Reutte, Landeck – Kein Bitte und Danke, kein aufklärender Elternabend, einfach eine Nachricht an die Scheiben der Reuttener Kindergarteneingänge gehängt – das stört Ahmed Demir. Im Außerfern wird der Name nicht so geläufig sein. Der ehemalige grüne Abgeordnete und nunmehrige Landecker Gemeinderat kritisiert das Reuttener Gemeindeoberhaupt Alois Oberer für dessen aktuelles „Deutschsprechgebot“ an die Eltern in der Zeit, in der sie sich im Kindergarten aufhalten. Eltern sollten Vorbild sein, Kindergärtler selbst, die Deutsch erst erlernen müssen, waren nicht gemeint. Im Kindergarten Tauschergasse haben 65 Prozent eine nichtdeutsche Muttersprache.

Demir erklärt, dass in Kindergärten die Gruppengrößen aus finanziellen Gründen nicht klein gehalten werden, auch wenn Probleme wie Sprachdefizite vorhanden seien. Dies könne zu Überforderung und Frust beim Personal führen. „In der wichtigsten Bildungseinrichtung nach dem eigenen Zuhause sollten die Pädagoginnen mehr Unterstützung bekommen. Da helfen keine Zettel mit einem indirekten Verbot anderer Sprachen.“ Oberer solle sich mehr einsetzen – von der Gruppengröße bis hin zu besserem Gehalt und mehr Freizeit der Kindergartenpädagoginnen. „Dies alles nimmt natürlich die Eltern nicht aus der Pflicht, den Kindern die deutsche Sprache neben der Muttersprache beizubringen“, schließt der Landecker.

Seine Reuttener Parteikollegin, die grüne Gemeinderätin Barbara Brejla, sieht die aktuelle Diskussion – auf Nachfrage der TT – hingegen entspannt. „Mein Sohn ist gerade auf Auslandssemester in Oslo. Er war kürzlich begeistert, als ein Professor alle Studenten bat, in der Pause englisch zu reden, damit alle teilhaben könnten. Und so verhält es sich auch mit der deutschen Sprache bei Eltern in unseren Kindergärten. Das ist diese Sprache, die die Gemeinsamkeit schafft, damit alle teilhaben können.“ Brejla hat deshalb nichts an Oberers Deutschgebot auszusetzen. Selbstverständlich sollten alle Kinder ihre Muttersprache gut beherrschen. Aber das stehe ja außer Streit. Ebenso, dass die Marktgemeinde Reutte die Sprachförderung in Kindergärten besonders unterstütze, auch wenn der Bezirkshauptort von den schwarz-blauen Budgetkürzungen bei der Sprachförderung besonders betroffen sei. Ohne Deutsch werde das Fortkommen schwer, das müssten alle wissen. (hm)


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