Lechaschauer feierte ersten Gipfelsieg auf der Zugspitze

Josef Naus erreichte als erster Mensch den Gipfel der Zugspitze. Das war vor 200 Jahren. Heute tummeln sich dort 500.000 Besucher im Jahr.

  • Artikel
  • Diskussion
Heute tummeln sich Touristen aus aller Herren Länder auf Deutschlands höchstem Berg. Der Ostgipfel mit seinem markanten Gipfelkreuz (r.) ist heute von der Bergstation über einen kurzen Klettersteig fast mühelos erreichbar.Zeichnung: H. v. Aggenstein.
© Tschol

Von Simone Tschol

Ehrwald, Lechaschau – König Maximilian I. von Bayern erließ Anfang des 19. Jahrhunderts den Befehl, das Werdenfelser Land, in dem auch ein Teil der Zugspitze liegt, zu vermessen. Der Auftrag ging an den damals 27-jährigen Lechaschauer Josef Naus. Als junger Mann studierte Naus Vermessungstechnik. 1814/15 tat er Kriegsdienst gegen Napoleon, danach trat er ins bayerische Heer ein.

Am 27. August 1820 war es so weit. Leutnant Naus erreichte gemeinsam mit seinem Messgehilfen Maier und Bergführer Johann Geor­g Tauschl den Gipfel, wo sie ein­e Höhe von 2962 Metern ermittelten.

Zahlreiche Abenteurer taten es ihnen in den Jahren darauf gleich. Die Zahl der Zugspitz-Bezwinger wuchs. Im Jahre 1851 wurde am Westgipfel, über den die Grenze zwischen Deutschland und Österreich verläuft, das erste Gipfelkreuz errichtet. 1853 erklomm Karoline Pitzner aus Partenkirchen als erste Frau den höchsten Punkt des Wettersteinmassivs und ging damit als Pionierin des Frauen-Alpinismus in die Geschichte ein. Noch bevor 1926 die Tiroler Zugspitzbahn erstmals in Richtung Gipfel fuhr, hatten es mehr als 10.000 Bergsteiger aus eigener Kraft bis ganz nach oben geschafft.

Josef Naus (l.) gelang am 27. August 1820 die Erstbesteigung der Zugspitze.
© H. v. Aggenstein

Vier Jahre nach der Tiroler wurde auch die Bayerische Zugspitzbahn eröffnet. Mit dem Bau der Seilbahnen wurde es einfacher, die Aussicht vom höchsten Berg Deutschlands zu genießen. Heute sind pro Jahr 500.000 Touristen aus aller Herren Länder auf der Zugspitze anzutreffen. Im Winter bedienen zudem mehrere Skilifte das Skigebiet auf dem Zugspitzplatt.

Auch Meteorologen haben sich auf den knapp 3000 Metern Höhe eingerichtet. Es sind aber nicht ausschließlich Wetterdaten, die dort gesammelt werden. Für die Wissenschafter ist zum Beispiel auch der Anteil der Radioaktivität in der Atmosphäre interessant. Die Menge der Treib­hausgase gibt Aufschluss über den Klimawandel. So können die Auswirkungen der weltweiten Klimapolitik dokumentiert werden.

Naus brachte seine Erstbesteigung 1820 keinen Ruhm ein. Der Gipfelsturm fand sogar so wenig Beachtung, dass aus Berichten über die Expedition nicht einmal genau hervorging, ob Naus nun mit Vornamen Josef, Joseph oder Karl hieß. Erst 2006 gelangten die Männer durch den Heimatfilm „Gipfelsturm“ zu Ehren.

Heuer, zum 200-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung, wird der Lechaschauer vor den Vorhang geholt. „Naus wird das Gesicht der diesjährigen Werbeschiene – sowohl beim Tourismusverband Zugspitz Arena als auch bei der Tiroler Zugspitzbahn – sein“, erklärt Seilbahnchef Franz Dengg gegenüber der TT.


Kommentieren


Schlagworte