13 vergiftete Rinder in Virgen: Polizei jagt Kuhmörder

Das Rätsel um den Tod von 13 Kühen in Virgen ist teilweise gelöst: Die Tiere starben durch Gift. Unklar ist allerdings noch, wer für das Verbrechen verantwortlich ist.

In einem Stall im Virgener Ortsteil Obermauern sind 13 Rinder durch Rattengift getötet worden.
© Gemeinde Virgen

Von C. Blassnig und T. Hörmann

Virgen –„Die Kühe starben durch eine Art Rattengift“, fasst Dietmar Mairer, stv. Kommandant der Polizeiinspektion Lienz, das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung zusammen. Ein Ergebnis, das jetzt vor allem für die Polizeibeamten viel Arbeit bedeutet. Denn wer den 13 Kühen in einem Stall in Virgen das Gift verabreicht hat, steht nicht im Gutachten.

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt dazu Mairer: „Konkrete Hinweise auf einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.“ Dafür aber Gerüchte, die in Virgen die Runde machen: „Für uns bedeutungslos, wir halten uns an Tatsachen.“ Tatsachen, die vielleicht die Spurenexperten der Polizei liefern können – der Stall wird untersucht. Unklar ist auch die Vorgangsweise des Täters: „Wir können derzeit nicht sagen, ob die Tiere auf einmal oder über einen längeren Zeitraum in kleinen Dosen vergiftet wurden“, erklärt der stv. PI-Kommandant.

Behandelnder Tierarzt am Hof im Virger Ortsteil Obermauern ist Dietmar Kurzthaler aus Matrei. Gestern musste er das bisher letzte Tier einschläfern. Er stehe mit der betroffenen Bäuerin in engem Kontakt, die verbliebenen vier Rinder seien unter Beobachtung. „In Österreich war bisher kein Fall von Rindertötung durch Nagergift dokumentiert“, verdeutlicht Kurzthaler die Besonderheit dieses Falles.

Konkrete Hinweise auf einen Verdächtigen gibt es derzeit nicht.
Dietmar Mairer (Polizei Lienz)

Als Anfang Jänner bei zwei Wiederkäuern Anzeichen von Erkrankung auftraten, glaubte der Tiermediziner noch an eine Futtermittelunverträglichkeit. „So etwas kommt vor.“ Das Futter wurde botanisch und mikrobiologisch untersucht, etwa auf Giftpflanzen oder Pilze.

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Die beiden Rinder waren jedoch gegen alle Behandlungsversuche resistent. Auf das Absinken der Körpertemperatur folgte das „Festliegen“ am Boden, eine schlaffe Lähmung setzte ein, nach weiterhin fortschreitender Verschlechterung des Allgemeinzustandes der Tiere blieb nur noch der Tod. „Ein heftiges Krankheitsgeschehen mit sehr erbärmlichem Leiden“, beschreibt der Tierarzt die Symptome.

In Österreich war bisher kein Fall von Rindertötung durch Nagergift dokumentiert.
Dietmar Kurzthaler (Behandelnder Tierarzt)

Schon zu diesem Zeitpunkt wurden Organproben zur weiteren Untersuchung eingeschickt. Ein spezialisiertes Labor in München hat in alle Richtungen ermittelt. Isoliert werden konnte nach aufwändigen Tests schließlich ein Nagergift der ersten Generation, wie es eigentlich vom Markt verschwindet. „Aus der internationalen Literatur ist bekannt, dass von der Aufnahme des Giftes bis zum Auftreten der ersten Symptome zwei bis sieben Tage vergehen“, erläutert Kurzthaler. Die Verzögerung ist beabsichtigt, damit Schädlinge nicht lernen, wo sie das Gift aufgenommen haben. Um ein Rind mit 600 Kilogramm Körpergewicht zu töten, reiche nach den Informationen zum Wirkstoff eine relativ geringe Menge von zwölf Gramm des Giftes aus. „Anders als bei streunenden Tieren wie etwa Hunden ist eine unbeabsichtigte Aufnahme eines Giftköders durch Rinder in einem Stall sehr unwahrscheinlich“, meint der Tierarzt. Bei allen inzwischen toten Tieren der verzweifelten Bäuerin traten nach und nach dieselben Symptome auf. Neben dem unsagbaren Tierleid sei die Vergiftung jedenfalls existenzbedrohend für die kleine Landwirtschaft. Der Betrieb war bei Rinderschauen tirolweit stets sehr erfolgreich.

Der Fall wird nicht nur von der Polizei untersucht, sondern auch von Fachleuten der tiermedizinischen Pathologie im In- und Ausland begleitet und dokumentiert.


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