Fischereiverband schlägt Alarm: Fünf vor zwölf für Tirols Fische

Der Tiroler Fischereiverband sorgt sich um die Fische in den Gewässern: Schlechte Gewässerqualität führt zu Artensterben, warnen die Experten.

Der Huchen konnte an über zwei Drittel der in Tirol untersuchten Stellen nicht mehr nachgewiesen werden.
© Clemens Ratschan

Innsbruck – Die Äsche. Einst galt sie als Massenfisch in den größeren heimischen Gewässern, heute ist sie eine gefährdete Art. So ist der für Wasserverschmutzung empfindliche Fisch an vielen Tiroler Fließgewässern nur deshalb noch nachzuweisen, weil dort die Population durch Besatz durch den Menschen aufrechterhalten wird.

Doch nicht nur der Äschenbestand ist in den vergangenen Jahren arg unter Druck geraten. Wie eine Untersuchungsreihe an 270 Tiroler Messstellen zwischen 2007 und 2018 zeigt, sind auch andere Arten auf dem Rückzug. Während die Äsche an einem Drittel der untersuchten Stellen gar nicht nachgewiesen werden konnte, weist die Bachforelle an der Hälfte der Stellen eine ungenügende Altersstruktur auf. Der Huchen – auch Donaulachs genannt – konnte an rund 70 Prozent der untersuchten Stellen nicht mehr nachgewiesen werden. Mehr als die Hälfte der Stellen (57 Prozent) entspricht nicht den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie und befindet sich damit nicht in einem guten ökologischen Zustand.

Der Tiroler Fischereiverband warnt daher vor einem großen Artensterben in den heimischen Seen, Bächen und Flüssen. „Die Gewässer sind weltweit unter massivem Druck. Und wir wissen, dass der Rückgang der Artenvielfalt in Süßgewässern doppelt so schnell wie im Meer vor sich geht“, schlägt Zacharias Schähle, Leiter der Geschäftsstelle im Fischereiverband, Alarm. Verbandsobmann Andreas Bachler und dessen Stellvertreter Andreas Schiechtl betonen, dass es nicht darum gehe, den Anglern die Zukunft ihres Hobbys zu sichern. Vielmehr verstehe man sich als Erhalter der Fischarten und kämpfe dafür, dass auch spätere Generationen ökologisch intakte Gewässer in Tirol vorfinden. In den Erhalt der Tiroler Inn-Äsche investiere der Verband beispielsweise jährlich Zigtausende Euro. „Würden wir das nicht tun, wäre sie bereits ausgestorben“, sagt Schiecht­l.

Der Tiroler Fischereiverband fordert die Politik auf, rasch zu handeln. Gewässerrenaturierungen, wie sie bereits jetzt im Rahmen kleinerer Projekte am Inn umgesetzt wurden, müssten massiv ausgeweitet und größer angelegt werden. Kleinkraftwerke, die gar kein Restwasser ableiten, müssen schleunigst so modernisiert werden, dass sie ökologisch vertretbar sind. Außerdem fordern die Fischer eine Erhöhung der Budgetmittel für Fischartenschutzprojekte sowie den Schutz der letzten intakten und naturnahen Gewässerstrecken. Außerdem solle die E-Wirtschaft nach Südtiroler Vorbild verpflichtet werden, für die Nutzung des Wassers eine Wassergebühr zu zahlen. Mit diesen Mitteln könnten wiederum Renaturierungsprojekte finanziert werden. (np)

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