Nach fünf Jahren wieder Schleicherlaufen: Die Telfer bauen heute auf Wettersegen

Wie groß die Vorfreude auf das heutige Schleicherlaufen ist, zeigte gestern das Auffahren der furiosen Fasnachtswagen.

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Köpfchen beweisen die stimmgewaltigen „Vogler“ mit ihrem Fasnachtswagen.
© Vanessa Rachlé/TT

Von Michael Domanig

Telfs – Fünf Jahre lang hat Telfs auf diesen Tag gewartet: Am heutigen Sonntag begeht die Marktgemeinde das berühmte Schleicherlaufen, das zu den größten und vielschichtigsten Traditionsfasnachten Tirols zählt. Ab 11 Uhr setzt sich der einzigartige Umzug in Bewegung.

Schon gestern, beim Wagenauffahren, lag im Ortszentrum dieses ganz spezielle Knistern in der Luft. Aus der Notwendigkeit, die Fasnachtswagen fürs Schleicherlaufen in Position zu bringen (in der umgekehrten Reihenfolge, in der sie heute vom Ober- in den Untermarkt einfahren werden), hat sich längst eine eigene Großveranstaltung entwickelt. Das bunte Treiben mag nicht repräsentativ für das eigentliche Schleicherlaufen sein, großartige Stimmung herrschte trotzdem bereits. Für die Traktorfahrer bedeutete das Auffahren Zentimeterarbeit, für Feuerwehrleute, Ordner und Polizisten Hochbetrieb.

Und die fantasievoll gestalteten Wagen weckten Lust auf den heutigen Umzug: So fuhr die Gruppe der Kurpfuscher mit einem gewaltigen Schiff im „Hafen“ des Untermarktes ein. Drei Monate haben die Mitglieder daran gebaut, den Namen „Sybille“ trägt es zu Ehren der „Gotl“ der Gruppe. Diese Patinnen spielen in der ansonsten männlich dominierten Fasnacht generell eine wichtige Rolle.

Die wilden Bären und Exoten fuhren standesgemäß im Zelt vor.
© Vanessa Rachlé/TT

Seit August hat die sangesfreudige Gruppe der Vogler an ihrem Wagen geschraubt, Herzstück ist ein riesiger Kopf samt Hut und Feder. Der Wagen der Laninger ist ein Nachbau des Telfer Bezirksgerichts, gegen dessen mögliche Schließung man im Ort ja vehement kämpft. Die fahrbare Bar der Schleicher trägt den Namen „Zur Latera“ und hat die Form einer riesigen bunten Laterne, wie man sie vom „Laterntrager“ kennt, der den Schleichern beim Umzug voraushüpft.

Mit einem orientalisch anmutenden Zelt fuhr der wilde Haufen der Bären und Exoten ein. „Die Fasnacht lässt einen nicht los“, sagt Bernhard Hellrigl, in dichtes Fell gehüllt. „Wenn man als 19-Jähriger dabei ist, dann auch als 60-Jähriger.“ Dreimal war er beim Schleicherlaufen als Bär aktiv, zweimal als Bärentreiber, einmal als Eskimo. Nun ist er in einer etwas gesetzteren Rolle tätig und begleitet neue Figuren.

Wie man ein ganzes „Bezirksgericht“ per Traktor transportiert, zeigten die Laninger.
© Vanessa Rachlé/TT

Auch für den Vogler-Obmann Hermann Körber ist es bereits die zehnte Fasnacht. Aber: „Routine kriegt man keine, es ist jedes Mal gleich spannend“, lacht er. Das bestätigt auch der neue Obmann der Kurpfuscher, Manfred Mair: Noch halte sich die Nervosität in Grenzen. „Aber spätestens am Sonntag um 8 Uhr Früh geht es los. Oder um sieben, wenn ich aus dem Fenster schaue und es regnet.“

Aber eigentlich sind sich in Telfs trotz mäßiger Prognosen alle sicher, dass das Wetter hält. „Mia vertrau’n auf d’Sunna“, sagen die Fasnachtler: Denn heute Früh zieht wie immer die Gruppe der „Sonne“ durchs Dorf und bittet um gutes Wetter. Und angeblich hat es seit 1890 noch nie ein Schleicherlaufen verregnet …

Rund um das Wageneinfahren waren viele große und kleine Kostümierte zu sehen.
© Vanessa Rachlé/TT


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