Brexit ging an britischen Fluggästen in Innsbruck spurlos vorüber

„Alles wie immer“, so lautet der einhellige Tenor von britischen Urlaubern, die gestern am Innsbrucker Flughafen landeten.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Reiseleiter Kame Rogosz, Dave Elwood und Nick Boden (v. l.) warten auf britische Gäste. „So wie immer, geändert hat sich nichts.“
© Dähling

Von Angela Dähling

Innsbruck – Gerade haben sie die EU verlassen, schon betreten sie sie wieder: Tausende Briten, die gestern am Flughafen in Innsbruck landeten, um in Tirol in den Skiurlaub zu starten. Was das für ein Gefühl ist, jetzt sozusagen EU-Ausland zu betreten? „Es tangiert uns nicht, wir haben immer noch überall Zutritt. Und es hat sich spürbar noch überhaupt nichts geändert. Der Flug war wie immer, die Passkontrollen auch“, sagt Lucy Saxton aus Surrey. „Wenn ich vom Brexit nicht aus den Medien wüsste, hätte ich ihn nicht bemerkt. Mein Pass ist auch noch derselbe. Wir sind alle Europäer. Und wir waren vorher Freunde und werden es auch bleiben“, meint Deborah Friar aus Liverpool lachend, die nach Obergurgl weiterreist.

Deborah Friar (l.) hat keine Veränderungen beim ersten Flug aus dem Ex-EU-Land festgestellt. Sie fühle sich auch nicht anders.
© Dähling

Dass sich in puncto EU-Flugreise für die Briten durch den Brexit noch nichts geändert hat, bestätigt auch der stellvertretende Flughafendirektor Patrick Dierich. „Denn die Briten waren vorher nicht bei Schengen und sind es jetzt auch nicht“, sagt er – und er erwarte auch keine Änderungen. Gegenwärtig umfasst der Schengen‑Raum, bei dem es u. a. um Grenzkontrollen geht, 26 europäische Staaten. Dave Elwood, der einen irischen und einen britischen Pass besitzt, ist seit acht Jahren als Reiseleiter für einen britischen Reiseveranstalter in Tirol und Südtirol tätig. „Wir lieben Europa und die Menschen dort. Was wir nicht mögen, sind die Bürokraten“, erklärt er, warum er für den Brexit gewesen ist. Er gehöre halt schon zu den Älteren und von denen seien mehr für den Brexit.

„Wir sind traurig, dass wir gehen müssen. Drei Jahre haben wir auch untereinander über den Brexit gestritten. Jetzt ist genug“, sagt die Freundesrunde aus London, die in Sölden Skiurlaub macht.
© Dähling
Lord Nick Rootes und Lady Dorothee bedauern den Brexit.
© Dähling

Bei den Jüngeren sehe das anders aus. Das bestätigen seine jüngeren Reiseleiter-Kollegen umgehend. „Als EU-Mitglied hat man viel mehr Möglichkeiten, überall zu arbeiten. Ich bin gebürtige Polin, nur durch die EU-Mitgliedschaft konnte ich nach England ziehen“, erklärt Kame Rogosz. Die Arbeitsmöglichkeiten im Ausland sind auch für Nick Boden der Grund, gegen den Brexit zu sein. „Es wäre besser gewesen, einige Dinge innerhalb der EU zu ändern und zu bleiben, statt auszutreten“, meint der junge Brite. „Sehr traurig darüber, dass wir die EU verlassen haben“, sind auch Lord und Lady Rootes von der Isle of Wight. Seit Jahrzehnten urlauben sie mit ihrer Familie im Alpbachtal. Dieses Mal zu neunt. Lord Nick Rootes: „Wir alle waren für den EU-Verbleib.“ In London seien das die meisten, ergänzt Felix Burn-Forti, in ländlicheren Gegenden sehe es anders aus.

Lucy Saxton: „Wir haben nach wie vor überall Zutritt.“
© Dähling

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte