Mutters nimmt Rechtsstreit mit Denkmalamt auf

Die Gemeinde hat ein leerstehendes Bauernhaus im Ortskern von Mutters gekauft, um es abzureißen. Das Denkmalamt will es indes unter Schutz stellen.

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Dieses Haus hat die Gemeinde Mutters vor Kurzem um fast eine Million Euro gekauft. Nun soll es unter Denkmalschutz gestellt werden.
© Gemeinde Mutters

Von Denise Daum

Mutters – Bürgermeister Hansjörg Peer kann seine Emotionen nur schwer zurückhalten. Er ist stinksauer auf das Denkmalamt. Immerhin geht es um sehr viel Geld. Und einen Zukunftsplan. Aber der Reihe nach: Die Gemeinde Mutters hat vor Kurzem ein unbewohntes Bauernhaus im Dorfzentrum gekauft. Insgesamt fiel dafür fast eine Million Euro an. Gleich nach dem Kauf wollte die Gemeinde das Haus abreißen lassen. „Wir planen kein konkretes Projekt, sondern wollen dort eine Blühwiese schaffen und die Fläche für die nächste Generation freihalten. Die würden eine Riesenfreude damit haben“, ist Peer überzeugt. Just einen Tag vor dem Abbruchtermin stand das Denkmalamt vor der Tür und durchkreuzte die Pläne der Gemeinde. Das Denkmalamt erstritt ein Mandat und leitete ein Verfahren zur Unterschutzstellung des Objektes ein. Damit ist ein Abriss vorerst nicht möglich.

Für den Bürgermeister ist das ein Schlag ins Gesicht und „überhaupt nicht nachvollziehbar. Das Haus vegetiert seit 1968 dahin und ist in einem Zustand jenseits von Gut und Böse. 50 Jahre lang hat sich niemand dafür interessiert und jetzt, wo wir es gekauft haben, kommt plötzlich das Denkmalamt daher, marschiert einmal durch das Gebäude und will es schützen lassen“, ärgert sich Peer. Er will das nicht hinnehmen und beruft gegen den Bescheid des Denkmalamts. Peer ist bereit, gegebenenfalls auch bis zum Bundesverwaltungsgericht zu gehen.

Das sei ihm natürlich unbenommen, erklärt Walter Hauser vom Denkmalamt im Gespräch mit der TT. Wenngleich er die Sache etwas differenzierter sieht. „Mutters ist eine der letzten Tiroler Gemeinden mit einem geschlossenen Ortsbild. Es geht nicht um dieses Haus allein, sondern um den Ortskern einer schönen Mittelgebirgsgemeinde“, so Hauser. Dass sich jahrelang niemand dafür interessiert habe, stimme so nicht. „Es gab in der Vergangenheit immer wieder Überlegungen rund um den Ortsbildschutz.“

Eine private Denkmalinitiative hat das Amt übrigens über den geplanten Abbruch informiert. „Wir sind dann gleich tätig geworden und eingeschritten“, sagt Hauser. Der Abbruchstopp gilt nun, solange das Verfahren läuft. Und das kann bekanntlich dauern.

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BM Peer geht davon aus, dass die Gemeinde mit ihrem Einspruch Erfolg haben wird. Walter Hauser wünscht sich, dass man zu einer gemeinsamen Lösung kommt, ohne jahrelangen Rechtsstreit.


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