22 Angeklagte: Auftakt zu bisher größtem Jugendgerichtsprozess Tirols

Der Prozess gegen die Innsbrucker Jugendbande „Wölfe“ hat am Dienstag begonnen. Die Mitglieder stehen wegen verschiedener Gewalt- und Diebstahldelikte vor Gericht. Bis zu fünf Jahre Haft drohen einigen Angeklagten.

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Ein Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Melichar wird den Mammut-Prozess bewältigen.
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Innsbruck – Schwerer gewerbsmäßiger Einbruchsdiebstahl im Rahmen einer kriminellen Vereinigung, Raub, Hehlerei, schwere Körperverletzung bis hin zum betrügerischen Datenmissbrauch wird teils 22 Jugendlichen vorgeworfen.

Bis auf einen Angeklagten erschienen am heutigen Dienstag alle pünktlich mitsamt ihren Verteidigern im Schwurgerichtssaal zum bislang größten Jugendgerichtsprozess Tirols. Der zunächst fehlende Jugendliche wurde eine Stunde später von der Polizei vorgeführt. Trotz Ladung meinte er, vom Verfahrenstermin nichts gewusst zu haben.

Auch zahlreiche Elternteile begleiteten ihre Kinder, sie mussten zum Prozessauftakt aber teils auf den Stiegen sitzen, da der Saal zum Bersten voll war. Zwei der Burschen waren von der Justizwache vor Gericht gebracht worden, da sie in U-Haft sitzen.

Auf zehn ganztägige Prozesstage ausgeschrieben

Ein Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Melichar wird den Mammut-Prozess bewältigen, der auf zehn ganztägige Prozesstage bis 18. Februar ausgeschrieben ist.

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„Ich werde im Eingangsplädoyer nun nicht auf alle Fakten einzeln eingehen, denn das würde wohl bis morgen dauern", erklärte Staatsanwalt Clemens Gattringer dem Schöffengericht zum Auftakt.

„Wölfe“ nannte sich die jetzt angeklagte Bande, die wiederum bereits aus einer anderen Gruppierung von 50 Jugendlichen hervorgegangen war. Sie habe ursprünglich den Zweck gehabt, „sich Respekt zu verschaffen". Die „Wölfe“ begingen dann jedoch gezielt Einbrüche, oftmals mehrere in einer Nacht, so Staatsanwalt Gattringer.

Im Zuge der Eingangsplädoyers zeigten sich die meisten Angeklagten großteils geständig. Die Aufarbeitung der Vorwürfe beginnt noch heute.

Insgesamt 121 Straftaten

Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität hatte die Jugendbande dingfest gemacht, nachdem es vor allem in Innsbruck ab dem letzten Frühjahr zu immer häufiger und offener aufgetretener Jugendkriminalität gekommen war.

Insgesamt hatte die Spezial-Polizeigruppe bis Herbst erst sogar zwei Kinder und 32 Jugendliche ausgeforscht, die bei über 121 Straftaten, davon 85 Einbrüche, einen Gesamtschaden von nicht weniger als 130.000 Euro verursacht haben sollen.

Über zwei der Angeklagten wurde Untersuchungshaft verhängt. Einer der 15-Jährigen brachte es laut Ermittlern bereits auf 52 Straftaten – die TT berichtete. Beide sollen zu einem harten Kern von acht Burschen gehören. Unter den 22 Angeklagten ist auch ein Mädchen. Bis zu fünf Jahre Haft drohen, für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. (fell)


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