Innsbrucker Michael-Popp-Institut: Forschung schafft Arbeitsplätze

Die Universität forciert mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Unternehmertum der Wissenschaft, der Beirat der Lebensraum Tirol Holding Töchterle wünscht sich noch mehr Input der Leiter der Hochschulen.

Am Standort Tirol wird mit Forschung viel Geld verdient, es könnte noch mehr sein.
© iStockphoto

Von Verena Langegger

Innsbruck – Vor wenigen Tagen wurde das Michael-Popp-Institut (MPI) zur pflanzlichen Wirkstoffforschung in Innsbruck eröffnet. Das Land Tirol wird 1,5 Millionen Euro für eine Stiftungsprofessur übernehmen, erklärte Landeshauptmann Günther Platter. Daneben investiert Michael Popp, Namensgeber des Instituts und Vorstandsvorsitzender von Bionorica SE, weitere 3,5 Millionen Euro.

„Relativ zufrieden“ mit der Situation für Wissenschaft und Forschung in Tirol zeigt sich der ehemalige Rektor, Ex-Wissenschaftsminister und derzeitige Beirat in der Lebensraum Tirol Holding, Karlheinz Töchterle. Wenngleich die Bedeutung von Tirol als Forschungsstandort noch ausbaufähig sei. „Es könnte immer mehr sein“, sagt Töchterle. Gerade die Lebensraum Tirol Holding, die ja Wirtschaft und Wissenschaft verbinden soll (siehe unten), werde von der Wissenschaft „noch nicht optimal bespielt“.

Mit Forschung und Entwicklung von Spin-offs der Universität Innsbruck wird aber mittlerweile auch viel Geld gemacht. Im vergangenen Jahr hat sich die Innsbrucker „Alma Mater“ über die Uni-Holding an zahlreichen Spin-off-Unternehmen beteiligt. Die aktuell 17 Unternehmen im Portfolio der Beteiligungsgesellschaft entwickeln Ergebnisse aus der Forschung zur Marktreife weiter und verwerten diese kommerziell. So konnten in den vergangenen Jahren knapp 100 neue Arbeitsplätze in Tirol geschaffen werden.

Eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) attestiert der Universität Innsbruck mit ihrer erfolgreichen Spin-off-Strategie samt Beteiligungsportfolio und Beteiligungsmanagement eine Sonderstellung in der österreichischen Universitätslandschaft. Bestätigt wird diese Rolle auch in einer aktuellen OECD-Studie zum Thema Supporting Entrepreneurship and Innovation in Higher Education in Austria. „Wir stimulieren und forcieren Unternehmertum an der Universität, nicht zuletzt mit dem übergeordneten Ziel, Wissen von der Universität in die Gesellschaft und Wirtschaft hinauszutragen“, sagt Rektor Tilmann Märk. „Dazu haben wir bereits 2008 eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die Neugründungen begleitet und den Unternehmen ein aktives Beteiligungsmanagement bietet.“ Die Uni-Holding ist aktuell an 17 Unternehmen beteiligt, einige Beteiligungen aus der Vergangenheit konnten bereits erfolgreich veräußert werden. Im vergangenen Jahr hat sich die Uni-Holding unter anderem an mehreren Ausgründungen beteiligt:

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Etwa am 2018 gegründeten Unternehmen Alpine Quantum Technologies (AQT). Dieses hat sich der Entwicklung und dem Vertrieb eines kommerziellen Quantencomputers verschrieben. Der Marktvorsprung von AQT entsteht aus der engen Zusammenarbeit zwischen Universität Innsbruck, IQOQI Innsbruck und AQT. Damit will das Team um die Unternehmensgründer Rainer Blatt, Thomas Monz und Peter Zoller den wissenschaftlichen Vorsprung Europas bei den Quantentechnologien auch in einen kommerziellen Erfolg ummünzen.

Zudem wurde in Kooperation mit dem Baustoffproduzenten Baumit von drei Architekten der Uni Innsbruck eine 3D-Drucktechnik für Beton entwickelt. Damit können Betonobjekte in fast jeder beliebigen Form sehr schnell und günstig hergestellt werden. Das im Oktober 2017 gegründete Unternehmen produziert unter dem Namen myPot derzeit vor allem Objekte für den öffentlichen Raum und die Gartengestaltung. Künftig soll die Technologie gemeinsam mit der ETH Zürich auch für den Hochbau marktfähig machen.

Das universitäre Spin-off-Unternehmen Innfoliolytix wurde von der Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV) und der Universität Innsbruck gemeinsam gegründet. Es macht Kapitalmarktanlegern aktuelle Forschungsergebnisse in Form von quantitativen Anlagestrategien zugänglich. Damit wird auf Basis von wissenschaftlicher Forschung im Bereich der Vermögensveranlagung ein sichtbarer Nutzen für Privatanleger in der Region geschaffen.

Das Spin-off-Unternehmen Sinsoma ist ein Spezialist für die DNA-Spuren-Analyse. Hochsensitive Methoden ermöglichen es dem Unternehmen, basierend auf DNA-Analysen aus Gewebeproben, Fäzes und dergleichen, sowohl einzelne Gruppen von Lebewesen als auch ganze Artenspektren in einem Lebensraum zu identifizieren und zu quantifizieren.

LH Günther Platter, Michael Popp (Bionorica), Rektor Tilmann Märk und Andreas Koeberle (Leiter, Forschung MPI) (v. r.).
© MPI/Berger

Platter: „Weiterentwicklung der Forschungskompetenz wichtig“

Die Universität Innsbruck ist sehr erfolgreich bei der Gründung von Unternehmen. Wie sind Sie als Chef der oberster Vertreter der Tiroler Politik in diesen Prozess eingebunden?

Landeshauptmann Günther Platter: Die Zusammenarbeit mit den Tiroler Hochschulen ist sehr gut. Seitens des Landes ist uns die Weiterentwicklung der Forschungskompetenz in Tirol sehr wichtig. Dabei bringen wir uns auch finanziell ein – etwa über die Förderung von Stiftungsprofessuren, um so neue Impulse am Standort zu setzen.

Die Lebensraum Tirol Holding schreibt auf ihrer Homepage, zukünftige Herausforderungen des Landes zu bündeln. Warum ist der Wissenschaftsstandort Tirol nicht dabei?

Platter: Selbstverständlich ist die heimische Wissenschaft ein wichtiger Partner. Deshalb haben wir sowohl im Aufsichtsrat der Lebensraum Holding einen Vertreter der Universität, aber auch unser Beirat wird vom ehemaligen Rektor und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle geleitet. Mir ist es wichtig, die heimische Wirtschaft über konkrete Projekte noch enger mit den Tiroler Hochschulen zu vernetzen. Die Gründung des Michael-Popp-Instituts ist ein solches Leuchtturmprojekt.

Sollte im Hinblick auf den Klimawandel nicht der Fokus erweitert werden? Nicht nur Landwirtschaft, alpiner Raum, Technologien? Sondern auch die Wissenschaft einen prominenteren Platz einnehmen?

Platter: Den Klimaschutz haben wir gerade in unserer Landesverfassung verankert und er steht damit im Zentrum unseres politischen Handelns.

Die Fragen stellte Verena Langegger


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