Fuchs-Attentat in Oberwart: Ein Bombenanschlag schockte die Republik

Vor 25 Jahren ereignete sich im burgenländischen Oberwart das folgenschwerste innenpolitisch motivierte Attentat seit 1945 in Österreich.

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In Oberwart ereignete sich der folgenschwerste politisch motivierte Anschlag in der Geschichte der Zweiten Republik.
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Wien – Es war von der Ausführung und von der Wirkkraft her ein besonders heimtückischer und hinterhältiger Anschlag. Franz Fuchs, der später überführte Urheber des Briefbomben-Terrors, errichte vor dem Eingang der Roma-Siedlung in Oberwart eine Sprengfalle. Er montierte in der Nacht auf den 5. Februar 1995 eine Tafel mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“. Angehörige der Volksgruppe sahen die provokante Inschrift, wollten die Tafel entfernen – es kam zur Explosion einer Rohrbombe. Vier Menschen, alles Angehörige der Volksgruppe, kamen dabei ums Leben: Josef Simon, Peter Sarközi sowie die Brüder Karl Horvath und Erwin Horvath.

Die Nachricht vom Attentat in Oberwart erschütterte Österreich und sorgte international für Bestürzung. An den Trauerfeiern für die ermordeten Roma nahmen mehrere tausend Menschen teil.

Auch der damalige Bundespräsident Thomas Klestil, Nationalratspräsident Heinz Fischer und ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek waren ins burgenländische Oberwart gekommen. Der durch einen Termin verhinderte sozialdemokratische Bundeskanzler Franz Vranitzky hatte einige Tage vor dem Begräbnis die Romasiedlung besucht.

Schon im Dezember 1993 hatte die Terrorserie von Fuchs ihren Ausgang genommen. Der Pfarrer August Janisch und ORF-Moderatorin Silvana Meixner wurden am 3. Dezember durch Briefbomben schwer verletzt. Zwei Tage später verstümmelte eine Briefbombe dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk die linke Hand. Im August 1994 verlor der Polizist Theo Kelz beide Unterarme, als in Klagenfurt eine von Fuchs auf dem Gelände der Rennerschule deponierte Rohrbombe beim Abtransport explodierte. Eine an das Stift Wilten adressierte Briefbombe konnte rechtzeitig entschärft werden.

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Der Bombenbauer Fuchs wurde erst im Oktober 1997 gefasst. Als Gendarmen ihn in seinem Heimatort Gralla in der Steiermark kontrollieren wollten, löste er einen Sprengsatz aus, der ihm beide Hände zerfetzte. 1999 wurde Fuchs zu lebenslanger Haft und zur Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt. Er beging am 26. Februar 2000 Selbstmord. (TT)


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