Frauenberufszentrum Osttirol: Mehr Migrantinnen suchen Hilfe bei Berufseinstieg

Das Frauenberufszentrum Osttirol verzeichnet bei Beratungen einen steigenden Anteil von ausländischen Frauen. Deutsch ist der Schlüssel.

Manuela Brandstätter bei einem Perspektivenkurs mit den Klientinnen.
© Monika K. Zanolin

Von Catharina Oblasser

Lienz – Heuer ist das dritte Tätigkeitsjahr des Frauenberufszentrums (FBZ) in Osttirol. Die Einrichtung in der Lienzer Beda-Weber-Gasse bietet Beratung und Unterstützung für Frauen, die beim AMS als Arbeit suchend vorgemerkt sind und intensivere Betreuung brauchen. Das Team besteht aus Itta Tenschert, Manuela Brandstätter und Katrin Mitterdorfer. Am Dienstag präsentierte Tenschert einen Rückblick auf das Jahr 2019, in dem 75 Klientinnen in 377 ausführlichen Gesprächen beraten wurden. Zehnmal wurde der Kurs „Perspektivenwerkstatt“ durchgeführt. Ziel ist es, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden. Dabei helfen Informationen über Aus- und Weiterbildung und ­Bewerbungstraining.

„Zu Beginn unserer Arbeit in Osttirol hatten wir etwa zehn Prozent Frauen aus anderen Ländern“, berichtet die Psychologin. „Inzwischen sind es an die 40 Prozent.“ Ein kleinerer Teil davon kommt aus EU-Staaten, ansonsten sind Länder wie Afghanistan, China, Iran oder Nachfolgestaaten der Sowjetunion vertreten. „Es sind Frauen mit Fluchterfahrung darunter, aber nicht nur“, so Tenschert. Das FBZ unterstützt diese Klientinnen zum Beispiel dabei, die Ausbildungsnachweise aus dem Heimatland übersetzen und in Österreich anerkennen zu lassen. Das Um und Auf sind aber Deutschkenntnisse. 2019 hat das Zentrum deshalb drei Deutschkurse für Fortgeschrittene durchgeführt.

Was sich noch geändert hat, ist das Alter der Klientinnen. Waren es anfangs viele ältere Frauen, so sind es jetzt die klassischen Wiedereinsteigerinnen, schildert die FBZ-Mitarbeiterin: Frauen von 30 bis 45 Jahren. Allen Klientinnen gemeinsam ist, dass sie es am Arbeitsmarkt trotz guter Konjunktur nicht leicht haben, und zwar aus mehreren Gründen. Das können körperliche und seelische Einschränkungen sein, Betreuungspflichten oder ein abgelegener Wohnort ohne Auto.

Sozialberufe sind gefragt

Seit Dezember 2019 sind Isabella (24) und Martina (38) Klientinnen des Frauenberufszentrums Osttirol. Isabella hat eine dreijährige Tochter, beide Frauen haben eine Lehre als Verkäuferin gemacht. Martina möchte in der persönlichen Assistenz (Hilfe für Menschen mit Behinderung im Alltag) arbeiten, Isabella möchte Sozialpädagogik studieren. „In der Beratung erfahre ich, wie ich eine Studienberechtigung erreichen kann“, sagt Isabella. Auch persönliche Kompetenzen würden herausgearbeitet. Für Martina ist es wichtig, Informationen über die richtigen Anlaufstellen bei ihrem Wunschberuf zu erhalten. „Im FBZ gibt es Wertschätzung und Beratung auf Augenhöhe“, sagt sie.

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