Laura Schneiderhan: Wo die Liebe hinkniet

Laura Schneiderhan liefert als „Lola Blau“ in Georg Kreislers Musical ein überragendes Gastspiel in den Kammerspielen. Auch privat hat es für den Spross einer Wiener Künstlerfamilie in Innsbruck gefunkt.

Laura Schneiderhan ist als Tochter von Schauspieler-Eltern mit Theater und Film aufgewachsen
© Thomas Boehm / TT

Sie haben kürzlich einen Heiratsantrag erhalten – auf der Bühne der Kammerspiele, vor Publikum. Wie haben Sie reagiert?

Laura Schneiderhan: Ich habe „Ja!“ gesagt. Tom Hospes, er ist Schauspieler im Ensemble des Tiroler Landestheaters, ist nach der Silvester-Vorstellung von „Heute Abend: Lola Blau“ zu mir auf die Bühne gekommen und hat auf Knien um meine Hand angehalten. Alle haben davon gewusst, nur ich nicht.

Sie haben Herrn Hospes in Innsbruck kennengelernt?

Schneiderhan: Ich lebe in Wien, Tom arbeitet in Innsbruck. Bei den Proben im Herbst, ich für „Lola Blau“ und Tom für Molières „Der Menschenfeind“, haben sich unsere Wege gekreuzt. Das ist rund vier Monate her.

Gibt es schon einen Hochzeitstermin?

Schneiderhan: Ja, es gibt einen, aber der bleibt privat. Wir spüren, dass es passt.

„Lola Blau“, ein Musical mit Liedern von Georg Kreisler, kommt beim Tiroler Publikum blendend an. Es gibt einen Run auf die Karten.

Schneiderhan: Wir verhandeln über weitere Zusatztermine. Ich liebe dieses Musical und mag nicht daran denken, dass es eines Abends meine letzte Vorstellung als „Lola Blau“ in Innsbruck sein wird.

Georg Kreisler musste wegen seiner jüdischen Herkunft unter den Nazis Wien verlassen, er kam nach dem Krieg zurück. In „Lola Blau“, 1971 uraufgeführt, hält er der Gesellschaft den Spiegel vor: frühere Nazis in hohen Positionen, weit verbreiteter Antisemitismus.

Schneiderhan: Die Künstlerin Lola Blau flüchtet im Stück ebenfalls vor den Nazis in die USA, so wie Kreisler damals, es gibt biografische Züge. Ich kannte Kreislers Musik vorher kaum, Klassiker wie das Lied „Taubenvergiften“ ausgenommen. Die Faszination an „Lola Blau“ ist für mich, dass eine Darstellerin ein Stück über zwei Stunden trägt, im Zusammenwirken mit drei hervorragenden Livemusikern. Ich muss mich als Lola elfmal umziehen und singe zwanzig Lieder.

Die Texte Kreislers sind voll Wortwitz, zugespitzt, manchmal auch böse und sehr lang. Das ist sicher eine Herausforderung?

Schneiderhan: Es ist viel Text, doch man merkt ihn sich leichter als angenommen. Als Darstellerin geht man in der gespielten Story ja komplett auf, und zwischen den Liedern ist Platz zum Improvisieren. Texthänger kommen zwar vor, doch vermutlich bemerkt sie niemand.

Laura Schneiderhan und ihr Verlobter, Schauspielerkollege Tom Hospes. Hochzeit folgt.
© Privat

Ich war zweimal bei „Lola Blau“. Mir ist kein markanter Hänger aufgefallen.

Schneiderhan: Das freut mich. Denn der Text muss für das Publikum verständlich sein. Sonst gehen Pointen verloren. Es ist mein Anspruch, verstanden zu werden. Ich mag es gar nicht, wenn ich in ein Theater gehe und die Schauspieler nicht verstehe. Da fühle ich mich verarscht. Es gibt den Trend, dass junge Schauspieler nuscheln, das soll wohl Coolness signalisieren. Ich finde das nicht gut.

Sie stammen aus einer bekannten Künstlerfamilie. Ihre Eltern Mona Seefried und Nikolaus Paryla sind Schauspieler. Großvater Wolfgang Schneiderhan war ein gefeierter Violinist, Großmutter Irmgard Seefried eine berühmte Opernsängerin. War eine Künstlerkarriere vorgezeichnet?

Laura Schneiderhan als „Lola Blau“ in den Kammerspielen Innsbruck.
© Larl

Schneiderhan: Meine Eltern haben sich bald nach meiner Geburt getrennt, sie waren nicht verheiratet. Ich bin mit meiner Mutter und ihrem späteren Mann, dem Schauspieler Peter Funck, aufgewachsen, er war wie ein Vater für mich. Ich hatte nie das Gefühl, keine Kindheit zu haben, obwohl ich viel mit meiner Mutter unterwegs war, bei Dreharbeiten oder im Theater. Ich habe immer schon gesungen und früh Texte geschrieben. Mein erster Berufswunsch war allerdings Hebamme. Als ausgebildete Schauspielerin und Sängerin bringe ich jetzt sozusagen Charaktere auf die Welt.

War Ihre Mutter begeistert darüber, dass Sie doch eine künstlerische Laufbahn einschlugen?

Schneiderhan: Meine Mutter fand es furchtbar, dass ich Schauspielerin werden wollte. Sie kannte diesen Beruf selbst seit 40 Jahren, war auch am Reinhardt Seminar. Sie wusste, dass ich singen kann, aber als Schauspielerin hat sie mich nicht so gesehen. Sie hat mich aber weder zu etwas gepusht noch zurückgehalten. Es waren alles meine Entscheidungen. Ich habe die klassische Gesangsausbildung als Mezzosopran abgeschlossen und bin dann ins Operetten- und Musicalfach gewechselt. Die klassische Ausbildung kommt mir gesangstechnisch natürlich zugute. Das Schauspielen, im Theater oder vor der Kamera, ist mir aber genauso wichtig. Das ganze Spektrum ist bei „Lola Blau“ komplett gegeben. Es ist eine Traumrolle.

Sie sind freischaffende Künstlerin. Wie hart umkämpft ist der Markt?

Schneiderhan: In Deutschland allein gibt es 24.000 Schauspieler. Fünf Prozent davon erhalten immer die großen Rollen, weil sie einem bestimmten Typ entsprechen. Das nimmt viel Potenzial weg. Wichtig ist, dass man sich als Künstlerin beim Kampf um Rollen nicht in eine bestimmte Schublade stecken lässt. Man muss bei sich selbst bleiben, authentisch.

Das Gespräch führte Markus Schramek


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