Selbst gebaute Häuser: Abgründig surreale Idyllen

Christoph Raitmayr zeigt im Innsbrucker artdepot seine selbst gebauten Häuser. Viel hintergründiger Humor ist bei diesen wunderbar surrealen Objekten im Spiel.

Im Innsbrucker artdepot: Objekt von Christoph Raitmayr.
© artdepot

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Die Kunst von Christoph Raitmayr ist etwas ganz Besonderes. Haben die Objekte, die der 43-Jährige in akribischer Finesse eigenhändig in wochenlangem Tun aus dünnen weißen und schwarzen Kartonen und MDF-Platten baut, doch unmittelbar mit ihm zu tun. Seine Welt, die real und trotzdem irgendwie anders daherkommt – kann es doch durchaus sein, dass in den von Raitmayr im Miniformat gebauten Häusern die Fenster so tun, als wären sie Türen und umgekehrt. Bisweilen ist Raitmayrs Welt auch aus der Ebene gekippt, das Gebaute vom Absturz bedroht, während in einem seiner Objekte wiederum zwei schmale Häuser in einen verhältnismäßig überdimensionalen Toaster ein- bzw. auftauchen.

Viel hintergründiger Humor ist bei diesen wunderbar surrealen Objekten im Spiel, obwohl sie vom gebürtigen Innsbrucker, der nach seinem Kunststudium in Linz bei Bruno Gironcoli an der Wiener Akademie der bildenden Künste diplomiert hat, sehr ernst gemeint sind. Mag sein, dass sich hier auch der Einfluss von Erwin Wurm bemerkbar macht, dessen Assistent Christoph Raitmayr vier Jahre lang war, bevor er in seine Tiroler Heimat zurückgekehrt ist, um hier seine Kunst zu leben.

Häuser sind das große Thema Raitmayrs, das Behaust- bzw. Unbehaustsein, das Haus als Schutz vor einem bedrohlichen Außen, letztlich als Schild für die Seele. Wobei die unseres Künstlers eine überaus zarte ist, weshalb die von ihm gebauten Häuser wohl als Metaphern für seinen eigenen Körper zu lesen sind. Inspiriert allerdings durchaus von realen Architekturen, etwa von Adolf Loos, typisch englischen Reihenhäusern oder Siedlungen auf Neufundland.

Inszeniert gern in inselartigen Settings, in deren vordergründiger Idylle immer das Abgründige lauert. Wobei das Modellhafte der Häuser und Landschaften gern mit sehr realen Fotos kombiniert ist, die der Künstler aus dem Internet fischt. Romantisch entrückte Impressionen aus Wäldern und Parks sind hier genauso dabei wie solche aus dem Weltraum. Nur auf einer dieser „Inseln“ gibt es keine Häuser, dafür mehrere Parkbänke, die so tun, als wären sie aus Holz. Auf denen aber niemand sitzt, wie generell die Absenz alles Menschlichen typisch für Raitmayrs Bildwelt ist.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Die Nachbauten seiner Seelenlandschaften zu sein scheinen. Aus denen zu entfliehen selbst eine Sprungschanze nicht hilft, führt sie doch gefährlich ins absolute Nichts. Und auch ob die Flucht auf einem Schiff Rettung aus der Einsamkeit bringt, ist eine Frage, die letztlich unbeantwortet bleiben muss.


Kommentieren


Schlagworte