Kubin-Ausstellung: Ein Fest für grafikverliebte Augen

32 Meisterzeichnungen von Alfred Kubin in der Innsbrucker Galerie Thomas Flora und es immer wieder ein Fest für die Augen ist, von Kubin Gezeichnetes zu sehen.

„Malaysisches Varieté“, 1915 von Alfred Kubin gezeichnet.
© galerie flora

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Dass für Paul Flora der 45 Jahre ältere Alfred Kubin das große Vorbild war, verwundert nicht. Verbindet beide doch ihre Liebe zum abgründig Skurrilen genauso wie beider Hang zum Literarischen und nicht zuletzt zum Grafischen. Weshalb es immer wieder ein Fest für die Augen ist, von Kubin Gezeichnetes zu sehen. Wie derzeit in der Galerie Flora, deren Wände mit 32 Blättern quer durch das Oeuvre des 1877 geborenen Künstlers behängt sind, der 82-jährig im oberösterreichischen Schloss Zwickledt gestorben ist.

In dieser ländlichen Idylle ist auch Kubins 1909 erschienener, mit eigenen Illustrationen versehener phantastischer Roman „Die andere Seite“ entstanden. Seinen Wohnsitz über mehrere Jahrzehnte hat der Künstler 1947 aber auch in einem grafisch delikaten Blatt verewigt, das so idyllisch daherkommt, dass man kaum glaubt, dass der Liebhaber des Drastischen zu so viel an Gefühligem fähig ist.

Wobei die Schau schön vorführt, wozu Kubin in Sachen grafischer Raffinesse alles fähig ist. Denn komplett unterschiedliche Handschriften tauchen hier auf, variiert je nach Bildinhalt bzw. Verfasstheit der sensiblen, allem Düsteren zugeneigten, grundsätzlich pessimistisch gestimmten Künstlerseele. Deren Vorbilder Redon und Goya Alfred Kubin beim Zeichnen ein Leben lang vor Augen hatte. Um seine gern literarisch oder von politischen Ereignissen inspirierten Sujets meist mit der Feder zu stricheln, einmal dicht verknäuelt, dann wieder ganz licht oder plakativ aus der Linie entwickelt. Die Farbe spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle, wenn auch Blätter wie das „Malaysische Varieté“ von 1915 überaus köstlich sind, in ihrer Leichtigkeit fast an Herzmanovsky-Orlando erinnernd.

Drastisch geht es dagegen in anderen zu, wenn etwa ein von einer Brücke Stürzender von einer anonymen Masse offenmundig begafft wird. Andere Zeichnungen wiederum sind von unheimlichen Trommlern, Kobolden, Schweinen, Teufelskindern, wilden Hengsten, Schlangen, aber auch selig Träumenden bevölkert. Auf einem der Blätter zeichnet ein Rosshirt auf den Rücken des Teufels drei Kreuze. Und dieser scheint das sogar zu mögen.

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