Pflegehelfer vor Abschiebung: AK-Präsident kritisiert falschen Weg

Es gibt eine breite Front gegen die Abschiebepraxis von gut integrierten Asylwerbern mit negativem Bescheid. Bischof Hermann Glettler warnt vor der Rückführungen nach Afghanistan.

Mohammad Haroon Faqiri (23) hat rasch Deutsch gelernt und absolviert eine Ausbildung zum Pflegeassistenten. Doch ihm droht die Abschiebung.
© privat

Von Peter Nindler

Innsbruck – Mohammad Haroon Faqiri aus Afghanistan absolviert eine Ausbildung zum Pflegeassistenten im Ausbildungszentrum West in Innsbruck. Rabiatu Yusufu aus Kamerun besucht die Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Kufstein und ist als Pflegehelferin aktiv. Der aus Afghanistan stammende zweifache Tiroler Boxmeister Salim Tajik, der den Pflichtschulabschluss mit „Sehr gut“ nachgeholt hat, könnte eine Lehre als Installateur beginnen. Doch nach negativen Asylbescheiden droht allen die Abschiebung. Dagegen regt sich jetzt breiter Protest: Interessenvertretungen, Politik, Kirche und NGOs fordern humane Lösungen statt Abschiebungen.

Für Arbeiterkammer-Präsident Erwin Zangerl stimmt hier das System nicht. „Wenn Asylwerber abgeschoben werden sollen, obwohl sie eine Ausbildung in einem Mangelberuf absolvieren, dann ist das der falsche Weg.“ Pflegekräfte würden dringend benötigt, „hier ist eine falsche Bürokratie fehl am Platz“, fordert Zangerl eine generelle Lösung für gut integrierte Asylwerber.

Erwin Zangerl 
(AK-Präsident)
© Vanessa Rachle

In dieselbe Kerbe schlägt Arbeitslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), die jungen Asylwerbern gerne eine Perspektive bieten möchte. Der Zugang zur Lehre in Mangelberufen sollte deshalb geöffnet werden, weil Österreich diese Arbeitskräfte benötige.

Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider, die sich für Rabiatu Yusufu aus dem Unterland einsetzt, zeigt sich indessen enttäuscht über die mangelnde Unterstützung von der Politik. „Ich habe einige Appelle formuliert, lediglich Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) hat den Erhalt meines Schreibens bestätigt. Aber nicht mehr.“

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Die Tiroler Grünen machen hingegen Druck: Für Integrationssprecher Georg Kaltschmid sind Yusufu und Faqiri bestens integriert und helfen mit, dass in Tirol Pflegebedürftige eine gute Betreuung haben. „So jemanden schiebt man nicht ab. So jemanden sollte man eher dazu bewegen, dass er langfristig hier bleibt.“ Insgesamt spricht sich Kaltschmid neben der „3plus2 Regelung“ und der Aufnahme aller Mangelberufe in die Liste der Aufschubgründe in Asylverfahren für eine rasche Lockerung der Rot-Weiß-Rot-Karte aus, wie sie im Koalitionspakt von Türkis-Grün im Bund vorgesehen ist.

Kein Verständnis für solche Abschiebungen und für die Rückführungen speziell nach Afghanistan hat Diözesanbischof Hermann Glettler. Es sei ein Land mit einer verheerenden Sicherheitslage, für das nicht umsonst die höchste Reisewarnstufe gelte.

Kathrin Heis von der Plattform Asyl fordert, dass Afghanistan endlich aus der Liste der sicheren Herkunftsländer genommen werde. „Von Menschen, die zurückgekehrt sind, weiß man, dass sie vor dem Nichts stehen, häufig nicht in ihre Dörfer zurückkönnen, weil diese zerstört sind oder von radikalen Gruppen eingenommen wurden.“


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